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Nachexilische Propheten

Tritojesaja

der dritte Jesaja, ist die Bezeichnung für den oder die Verfasser, welcher oder welche jene Kapitel verfaßt haben, die dann als Kapitel 56 bis 66 dem Jesajabuch angefügt worden sind. Hatte Deuterojesaja mit der Ankündigung der Heimkehr aus dem Exil zugleich die große Wende zum Heil angekündigt, so hat es Tritojesaja mit der Enttäuschung darüber zu tun, daß zwar ein Teil der Exulanten heimgekehrt ist, daß sie aber in der alten Heimat nichts Großartiges vorfanden. Vielmehr stand ihnen eine mühselige Wiederaufbauarbeit bevor. Tritojesaja greift die Heilsverkündigung Deuterojesajas auf, verlegt ihr Erfüllung aber von der Gegenwart in die Zukunft

Es müssen an den Kapiteln 56 bis 66 mehrere Hände geschrieben haben. Unbedingte Heilszusagen wechseln mit bedingten; manchmal wird das ganze Volk angeredet, manchmal nur die Frommen des Volkes im Unterschied zu den anderen usw. Der älteste  Bestand dürfte aus der Zeit unmittelbar nach dem Ende des Exils stammen, also um 530.

Haggai

hat vom 29. August bis zum 18. Dezember 520 in Jerusalem gepredigt.  Seine Verkündigung betrifft die Frage, welche die heimgekehrten wie die im Lande gebliebenen Juden gleichermaßen bewegte, nämlich ob der Tempel wieder aufgebaut werden soll und kann oder nicht. Seine Botschaft ist, daß die kommende Heilszeit, die er ankündigt, die Reinheit des Gottesvolkes voraussetzt. Die Reinheit ist aber ohne den Kult und damit ohne den Tempel nicht möglich. Im Auftrage des persischen Königs muß ein Davidsnachkomme namens Serubbabel ben Schealtiel Statthalter in Juda oder etwas ähnliches gewesen sein. In ihm sieht Haggai den König der Heilszeit, also den Messias (obwohl dieses Wort nicht fällt), der als eine Art Superdavid die Reiche der Heiden vertilgen wird.

Sacharja ben Berechja

ben Iddo hat vom Herbst 520 bis zum 7. Dezember 518 gepredigt, also gleichzeitig mit Haggai. Auch er trat für den Wiederaufbau des Tempels ein, auch er erwartete die Heilszeit und setzte auf Serubbabel die gleichen Hoffnungen wie Haggai. Daß übrigens der Name von Sacharjas Vater nicht stimmt, sondern eine spätere Interpolation aus Jes 8,2 ist, ist ein nahe liegender Verdacht. Was von Sacharja stammt, steht nur in den ersten acht Kapiteln des Buches. Hier geht es um den Tempelbau, der also noch nicht errichtet ist. Zwei führende Persönlichkeiten treten hervor: der Hohepriester Josua und der schon erwähnte Statthalter Serubbabel. Zwischen beiden hat es offensichtlich manchmal Unstimmigkeiten gegeben, die der Prophet andeutet. Die folgenden Kapitel sind viel jüngeren Datums. Man schreibt sie einem oder zwei Namenlosen zu, die als Deutero-  und Tritosacharja, d.h. zweiter und dritter Sacharja bezeichnet werden.

Maleachi

heißt auf deutsch „mein Bote“ oder „mein Engel“. Es ist also fraglich, ob wir es überhaupt mit einem Eigennamen zu tun haben. Die Bezeichnung „Maleachi“ geht sicherlich auf 3,1 zurück: Siehe, ich will meinen Boten senden. Er setzt den wieder aufgebauten Tempel voraus, ja er beanstandet die Nachlässigkeit, mit der die Priester den Kult vollziehen. Vor allem aber wendet er sich gegen das Unrecht gegenüber den Armen. Dieses zwischenmenschliche Unrecht macht den ganzen Kult wertlos, ebenso auch der Zweifel an Gottes endgültiger Gerechtigkeit. Denn das Gericht ist nahe. Zuvor wird aber ein wiedererstandener Prophet Elia kommen als letzte Mahnung und Chance zur Umkehr (Kap.3).

Vielleicht ist diese Prophetie des Maleachi bedingt durch eine teilweise Zerstörung Jerusalems im Jahre 480, von der wir aber leider nicht Näheres wissen.

 Joel ben Petuel

hat wahrscheinlich im 4. Jahrhundert v. Chr. in Jerusalem  gelebt. Außer dieser Vermutung läßt sich über ihn nichts sagen. Dieses Buch gibt den Exegeten bis heute verschiedene Rätsel auf. Im 1. Kapitel ist die Rede von einer Heuschreckenplage, aber  1,15-20 auch von einer Dürre in Verbindung mit dem Tag Jahwes, d.h. dem jüngsten Gericht.   Davon handeln dann die Kapitel 2 bis 4. Das Endgericht ist die letzte Schlacht der Weltgeschichte. Die Heiden werden geschlagen, während sie gegen Jerusalem anstürmen, aber in Jerusalem wird die Rettung sein (3,5,). Diese Verheißung steht am Ende der Verheißung des Geistes, den die Juden am Ende der Tage von Jahwe empfangen werden. Die frühe Christenheit hat das auf sich bezogen ( siehe Apgesch 2,17-21). Diese Joel-Stelle wird in der Pfingstpredigt des Petrus angeführt, die Lukas ja auch in Jerusalem lokalisiert. Die Kapitel 2-4 sind also ausgesprochen apokalyptisch, aber zwischendurch liest man in 2,21- 23 wieder etwas über die Dürre. Es ist damit zu rechnen, daß hier verschiedene Hände am Werk waren.

Von besonderem Interesse dürfte 4,10 sein. Denn dort scheint das Gegenteil von Jes 2,4=Mich 4,3 zu stehen. Heißt es an diesen beiden Stellen: Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen… machen, so steht hier: Macht aus euren Pflugscharen Schwerter! Man muß aber den Zusammenhang lesen. Da werden die Völker angeredet Sie werden aufgefordert gegen Jerusalem zu ziehen. Sollen sie doch kommen, sollen sie doch ihr Ackergerät zu Waffen umschmieden. Es wird ihnen nichts nützen; denn dieser Kampf wird ihr letzter sein. Sie werden in ihm zugrunde gehen.

Jona ben Amittai

wird II.Kön 14, 25 erwähnt, ohne daß wir weiteres von ihm erfahren. Er wirkte also im 8. Jahrhundert v. Chr. im Nordreich unter Jerobeam II. Der unbekannte Verfasser des Buches Jona hat diesen Propheten zur Hauptperson seiner Lehrdichtung gemacht. Denn dieses Buch scheint nur eine Prophetengeschichte zu sein. Tatsächlich handelt es sich um eine erdachte Erzählung, eine Lehrschrift, die auch den anderen Völkern eine Umkehr zu Gott zutraut, sogar den Niniviten, also den Bewohnern der Hauptstadt des grausamen assyrischen Reiches. Es handelt sich also um eine universalistische Botschaft, wie sie gelegentlich auch in anderen prophetischen Büchern erscheint. Hier ist sie das Thema. Der Inhalt der prophetischen Predigt wird nicht mitgeteilt. Es geht ja auch in erster Linie um das Verhalten Gottes zu bußfertigen Heiden.

Dieses Büchlein könnte um 300 v. Chr., also in der hellenistischen Zeit geschrieben worden sein. Eigentlich passt es als Lehrschrift mehr in die dritte Abteilung des Tanak als unter die Propheten. Aber die Redaktoren des Dodekapropheton werden die Erzählung wohl nicht als Dichtung, sondern als wirkliches Geschehen angesehen haben. Außerdem war für sie wichtig, die Zwölfzahl voll zu kriegen.

Deuterosacharja

umfasst die Kapitel Sach 9-11. Da hier noch nicht zwischen Gerechten und Gottlosen innerhalb des Judentums die Rede ist, müssen diese Kapitel noch vor dem „Höhepunkt des Hellenismus“, aber bereits in hellenistischer Zeit geschrieben worden sein, vielleicht nach dem Tode Alexanders d. Gr. Um 300 v. Chr. Der Prophet erwartet 9,9-13 den messianischen König, der die Heiden überwinden und ein großes Reich errichten wird. Diese Stelle wird bekanntlich  Mark 11,1-10= Matth 21,1-9=Luk 19,29-38=Joh 12,12-19 für den Einzug Jesu in Jerusalem in Anspruch genommen. Hier wie schon bei Joel haben wir es mit den Anfängen der Apokalyptik zu tun.

Tritosacharja

umfasst die Kapitel 12 bis 14. Es darf aber nicht verschwiegen werden, daß einige Exegeten diese Kapitel noch zu Deuterosacharja rechnen, also keinen Tritosacharja voraussetzen. Andererseits  sind die Kapitel 12 bis 13 auch nicht einheitlich. Es muß mit Fortschreibungen und Eingriffen gerechnet werden. Wer aber mit Tritosacharja rechnet, setzt den Grundbestand auch in die hellenistische Zeit, und zwar noch nach Deuterosacharja. Auch hier haben wir es mit einer frühen Form der Apokalyptik zu tun.

 Jesaja 24-27

haben mit dem Propheten Jesaja nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich  um einen apokalyptischen Einschub in das Jesajabuch, der aber nicht aus einem Guß ist. Deshalb ist eine genaue   Datierung unmöglich. Wir können nur sagen, daß diese Kapitel aus der hellenistischen Zeit, also wohl nach 300 hier eingefügt wurden.