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Die vorexilischen Propheten

Amos

war Schafhirt und Maulbeerzüchter (Am1,1;7,14) in Tekoa, einem Städtchen 16 km südlich von Jerusalem, also im Königreich Juda. Amos wirkte aber als Prophet im nördlichen Königreich Israel, und zwar unter dem König Jerobeam II. (787-747 v. Chr.). In Juda regierte in dieser Zeit Usia (787-736). Unter Jerobeam II. herrschte in Israel Wohlstand; jedenfalls schien es so. Tatsächlich gab es viele Arme, und Amos verkündet das Gericht über Israel, weil die Armen von den Reichen rücksichtslos ausgebeutet wurden. Tatsächlich wurde Israel 25 Jahre nach Jerobeams Tod von den Assyrern besiegt, und die Sieger verschleppten einen erheblichen Teil des Volkes, von dessen weiteren Schicksal wir nichts wissen. Einige Stellen im Amosbuch haben zu der Vermutung geführt, daß der Prophet in der Hauptstadt Samaria gewirkt habe. Die Erzählung 7,10-17 läßt ihn in dem Heiligtum in Bethel auftreten, wo – wie die Erzählung berichtet – der Hohepriester Amazja ihn, den Landfremden ausgewiesen habe. Was auch immer an dieser Erzählung historisch sein mag, sie gehört zu den späteren Ergänzungen.

Hosea ben Beeri

war ein wenig jüngerer Zeitgenosse des Amos, dessen Heimat aber wahrscheinlich im Nordreich Israel lag. Er scheint noch unter einigen der kurzzeitig regierenden Nachfolger Jerobeams II. gelebt zu haben, ist aber wohl vor der Katastrophe Israels gestorben. Den syrisch-ephraimitischen Krieg, der ein Bruderkrieg zwischen Juda und Israel war, hat er erlebt.  Sein Thema ist die Liebe Jahwes zu seinem Volk, eine enttäuschte Liebe, die Hosea unter dem Bilde einer Ehe mit einer Hure darstellt. Die Frage ist, ob Hosea damit seine tatsächliche Ehe beschreibt oder diese Geschichte nur erzählt. Jedenfalls will Hosea damit Israels treuloses Verhalten gegenüber Jahwe und seiner Liebe zu Israel darstellen. Israel Untreue besteht in seinem Götzendienst. Damit hat es sich von Jahwes Liebe zu ihm abgewendet, indem es zumindest neben ihm andere Gottheiten verehrte. Jahwe will aber ausschließlich verehrt werden, aber dagegen hat sich Israel versündigt und geht deshalb dem Gericht entgegen.

Jesaja ben Amoz

predigte in Jerusalem. Seine Berufungsvision im Tempel läßt den Schluß zu, daß er priesterlichen Geschlechts gewesen ist. Laut 1,1 wurde er im Todesjahr des Königs Usia von Juda berufen, also im Jahr 740/41 Seine Predigten sind in den Kapiteln 1 bis 39 enthalten. Mit 701 endet sein Wirken. Er hat also unter Usias Nachfolgern Jotham (741/ 740 – 734/733) Ahas (734/733 – 715/714) und dessen Sohn Hiskia (7715/714 –697/696) gewirkt. Leider erfahren wir gerade über diesen wichtigen Zeitraum wenig, so daß auch die Jahreszahlen nicht hinreichend gesichert sind. Den syrisch-ephraimitischen Krieg wie den Untergang des Nordreichs hat Jesaja erlebt und im Jahre 701 die Belagerung Jerusalems durch die Assyrer, die aber nicht zur Eroberung der Stadt geführt hat. Er war überzeugt, daß zwar das Land Juda von den Feinden verwüstet werden, Jerusalem bestehen bleiben würde. Denn da war der Tempel Jahwes. Deshalb war es ihm ein Greuel, daß Ahas im Zusammenhang mit dessen Bündnis mit Assur, das eigentlich mehr eine Unterwerfung war, assyrische Gottheiten neben Jahwe im Tempel verehrt wurden. Immer wieder hat er vor militärischen Bündnissen gewarnt. Zu Hiskia hatte er ein gutes Verhältnis. In diesem Zusammenhang stehen die  messianischen Weissagungen. Es ist aber strittig, ob sie wirklich schon von Jesaja stammen oder von einem Späteren.

Micha aus Moreschet

war ein Zeitgenosse Jesajas. Wegen des Götzendienstes   und des sozialen Unrechts sieht er den Untergang des Nordreiches Israel ebenso voraus wie den Untergang Judas, also auch Jerusalems. Das unterscheidet ihn, den Landbewohner von dem Jerusalemer Jesaja. Er hat offensichtlich viel Widerspruch erfahren müssen, von falschen Propheten, den beamteten Kultpropheten am Tempel, die es nicht wahr haben wollten, daß die Katastrophe naht, und sie gerade deshalb heraufführten, weil sie das Volk und seine Oberen in der Meinung bestärkten, es sei alles in Ordnung, und deshalb könne es nicht so schlimm werden. Im Buche Micha gibt es auch Heilsverheißungen. Im 4. Kapitel wird Gottes künftiges Friedensreich geschildert, wenn man (4,3) Schwerter zu Pflugscharen umschmieden wird – ein Wort, das sich auch Jes 2,4 findet. Im 5. Kapitel ist die Rede von dem Davidsnachkommen, der aus Bethlehem kommen wird. Ist das noch Micha oder einer, der Michas Prophetie fortschreibt?

Zephanja ben Kuschi

muß um 630 v. Chr. in Jerusalem aufgetreten sein. Es ist die Zeit des Königs Josia, der dann die Kultzentralisation gemäß dem Deuteronomium durchgesetzt hat. Das war aber nach dem Jahre 630. Es fällt auf, daß 1,1 gleich sein ganzer Stammbaum angeführt wird. Demnach wäre er ein Ururenkel des Königs Hiskia. Der Name seines Vaters Kuschi könnte darauf hinweisen, daß dieser ein Kuschit, also ein Äthiopier gewesen ist. Seine Verkündigung ist derjenigen von Amos und Jesaja sehr ähnlich. Auch er verkündet das bevorstehende Unheil, nun besonders über Juda. Denn Israel hat es ja schon getroffen. Die Unheilsverkündigung in 1,14 – 15 ist die Vorlage für den lateinischen Hymnus Dies irae dies illa…, den wir in Bartholomäus Ringwalds freier Übersetzung in dem Choral „Es ist gewißlich an der Zeit…“ im EG 149 haben.

Nahum aus Elkosch

wird in 1,1 als Verfasser eines sehr uneinheitlichen Buches genannt. Den Anfang (1,2-8) bildet ein alphabetischer Hymnus, ein Akrostichon. Jeder Vers beginnt mit einem andern Buchstaben in der Anordnung der ersten Hälfte des hebräischen Alphabets, also nur elf der zweiundzwanzig Buchstaben. Dieser Hymnus gibt eine Theophanie, eine Erscheinung Gottes zum Gericht wieder. Es folgt eine Rede Jahwes an Israel, die aber auch zugleich an die Assyrer gerichtet sein kann(1,9-2,3). Der Rest des Buches ist die Gerichtsrede gegen Ninive, die damalige Hauptstadt des assyrischen  Reiches, unter dessen Unterdrückung Israel, Juda, aber auch die Nachbarstaaten und – Völker viel zu leiden hatten.

Wann dieser im übrigen unbekannte Prophet Nahum  gelebt hat, könnte sich erstens aus 3,8 ergeben. Dort wird die Eroberung von No Ammon, besser bekannt als das „hunderttorige Theben“, in Ägypten durch die Assyrer angeführt. Der Fall von No Ammon geschah 663. Zweitens ergibt sich ein Anhalt aus dem Fall Ninives im Jahre 612, der  hier angesagt, also noch nicht geschehen ist. Nahum hätte also in der Zeit des Niedergangs der assyrischen Macht gewirkt, die nach dem Tode Assurbanipals , wohl 628, offenkundig  wurde.

Habakuk

ist uns als Person ebenso unbekannt wie Nahum. Im ersten Kapitel haben wir es mit einer Anfrage des Propheten an Gott zu tun, wie lange er die Gewalt der Gottlosen in Juda noch dulden will, und mit Gottes Antwort zu tun, der eine weitere Anfrage folgt. Die Antwort darauf steht im 2. Kapitel. Das dritte Kapitel ist ein Gebet des Propheten. Sehr ansprechend und bedenkenswert ist die von Zenger vorgeschlagene dreiteilige Steigerung: 1,2-2,5; 2,6 – 20; 3,1 – 19.

Die Zeit Habakuks ist aus dem Text schwer zu bestimmen. Die gegenwärtige Forschung ist sich nicht recht einig. Mehrheitlich sieht sie aber den Propheten in der Zeit nicht lange vor dem babylonischen Exil, also unter dem König Jojakim (608 bis 598) und auch gegen diesen predigend. Eine heute überholte Ansicht war, daß er in die Zeit Alexanders d.Gr. nach der Schlacht bei Issos (333) gehöre, während andere in ihm einen Kultpropheten sahen, der hier eine Tempelliturgie wiedergibt.