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Brief des Clemens an Jakobos

1. Kapitel

(1)Clemens an Jakobos, den Herrn und Bischof der Bischöfe, regierend aber die heilige Gemeinde der Hebräer in Hierusalem und überall durch Gottes Vorsehung gut eingesetzt, mit den Ältesten und Diakonen und allen übrigen Brüdern, Friede sei allezeit.

(2) Es sei dir, mein Herr bekannt gegeben, dass Simon, der durch seinen sicheren Grundsatz der Lehre bestimmt wurde, [01]Fundament der Kirche zu sein und deshalb von Jesus selbst mit untrüglichem Munde den Beinamen „Petrus” erhalten hat,(3) der Erstling unseres Herrn, der Erste der Gesandten, dem der Vater als Ersten den Sohn offenbart hat, den der Gesalbte von Rechts wegen selig gepriesen hat, der Berufene und Erwählte und Tischgenosse und Wegbegleiter, der gute und bewährte Schüler, der beauftragt war, den dunkleren Teil, die Welt des Westens wie den ansehnlicheren zu erleuchten[02] und imstande war, es auszuführen – (4) und fürwahr, solange ich die Rede hinziehe, will ich etwa nicht zum Trauern anregen, was dennoch nötig ist, auch wenn mir schwer fällt, was ich sagen muss? – (5) Er selbst hat aus übermäßiger Zuneigung zu den Menschen öffentlich weise während des gegenwärtigen Übels[03] der ganzen Welt das künftige Gute verkündet, bis er nach Rom gekommen ist, nach Gottes Willen durch die Lehre Menschen rettend, er selbst vertauschte das gegenwärtige Leben[04] mit dem Leben[05].

2. Kapitel

(1)In diesen Tagen, in denen er sterben würde, als sich die Brüder versammelten, ergriff er meine Hand, hob sie über die Versammlung und sprach: (2) „Hört mir zu, Brüder und Mitsklaven! Da ( wie ich belehrt worden bin von dem Herrn, der mich gesandt hat und dem Lehrer Jesus Christos) sich die Tage meines Todes genaht haben, ernenne ich diesen Clemens für euch zum Bischof, dem ich den Stuhl meiner Worte anvertraue,(3) der mich von Anfang bis zum Ende begleitet hat und so alle meine Predigten gehört hat, der an allen meinen Anfechtungen teilhatte und als am Glauben festhaltend gefunden wurde, den ich mehr als alle gottesfürchtig, menschenfreundlich, heilig, vielseitig gebildet, besonnen, gut, gerecht, langmütig und vornehm den Undank einiger von denen ertragend, die er unterrichtet. (4) Deshalb übertrage ich ihm die Vollmacht, zu binden und zu lösen, so dass alles, was er auf Erden bestimmen wird, in den Himmeln bestätigt wird. Er wird nämlich binden, was gebunden werden muss und lösen, was gelost werden muss, wie er die Regel der Kirche kennt.(5) Hört also auf ihn, da ihr wisst, dass derjenige, der den betrübt, welcher die Wahrheit festgesetzt hat, gegen Christos sündigt und den Vater aller erzürnt; deshalb wird er nicht leben. (6) Folglich muss derjenige, der vorsteht, die Stelle eines Arztes einnehmen und darf nicht die Wut eines unvernünftigen Tieres haben.

3. Kapitel

(1)Wenn er dies sagt, werde ich ihn niederfallend bitten und die Ehre und Macht des Stuhles um Verzeihung anflehen. (2)[06] Er aber erwiderte: „ Deswegen sollst du mich nicht bitten; es ist mir nämlich gegeben, dass dies geschieht, und umso mehr, wenn du es erflehst; denn er hat diesen Stuhl nicht nötig wegen eines frechen Strebens nach dem Bischofssitz, sondern fromm an Sitte und gelehrt am Wort. (3) Setze aber einen Besseren ein, der mehr mit mir gegangen ist und die Worte gehört hat und die Leitung der Kirche von Grund auf gelernt hat, auch werde ich dich nicht zwingen Gutes zu tun, das du nicht willst. (4) Aber es ist jetzt nicht möglich, einen Besseren als dich anzubieten; Denn du bist durch mich der bessere Erstling der geretteten Völker. (5) Das Andere ist jedoch auch zu bedenken, dass wenn einer das Gefährlich der Sünde fürchtet, er die Verwaltung der Kirche nicht übernehmen soll, wisse wohl, dass du mehr sündigst, der du den Gottesfürchtigen, wie wenn sie mit dem Schiff fahren und in Gefahr geraten, nicht helfen willst, indem du allein auf das Eigene siehst und nicht auf den allen gemeinsamen Nutzen. (6)Denn das allgemein Gefährliche musst du auf dich nehmen, wenn ich dies recht bedenke und höre nicht auf mit der Hilfe für alle, dann bestimme ich richtig. (7) Je schneller du mir zustimmst, umso mehr milderst du meine Mutlosigkeit.

4. Kapitel

(1)Ich kenne auch selbst, o Clemens, Trauer und Mutlosigkeit und Gefahren und Tadel, die dir von der ungebildeten Masse zugefügt werden, die du vornehm zu ertragen vermagst, wobei ich den dir von Gott verliehenen großen Lohn für die Standhaftigkeit sehe. (2) Aber überlege gerechterweise auch mit mir, wann der Gesalbte deinen Beistand braucht, jetzt, wenn der Böse einen Streit gegen seine Braut anhebt oder zu einer künftigen Zeit, wenn er gesiegt hat und herrscht, braucht er dann noch weiteren Beistand? Ist es nicht auch für den, der einen geringen Verstand hat, offenkundig, dass es jetzt der Fall ist? (3)Eile bei jeder Absicht in der gegenwärtigen Zeit des Zwanges, dem guten König beizustehen, da nach dem Sieg große Belohnungen gegeben werden. (4) Übernimm also freudig das Bischofsamt (zur rechten Zeit umso mehr, als du von mir die Leitung der Kirche gelernt hast) zum Heil der Brüder, die bei uns Zuflucht gefunden haben.

5. Kapitel

(1)Außerdem will ich dich auch kurz an alles was vor allem die Leitung betrifft, erinnern. (2) Es ist nötig für dich, tadellos zu leben, und dass alle Beschäftigungen mit dem Leben[07] abgeschüttelt werden, weder Bürge noch Anwalt zu sein, auch nicht mit irgend[08]einer anderen Angelegenheit des Lebens[09] überladen zu sein.(3) Der Gesalbte will nämlich nicht, dass du als Richter[10] oder Ankläger in Sachen oder Beschäftigungen des gegenwärtigen Lebens aufgestellt wirst, so dass du, der von den gegenwärtigen Sorgen der Menschen festgehalten, nicht die Muße hast, das Wort der Wahrheit von dem der Menschen zu unterscheiden, die Besseren von den Schlechteren. (4) Vielmehr sollen dies die Lernenden einander vermitteln und nicht von den Worten, die zu retten vermögen, abhalten. (5) Wie es nämlich für dich etwas Gottloses ist, die Lebenssorgen aufzunehmen, nachdem du unterlassen hast, dasjenige zu tun, wodurch du befreit wirst, so wie es für jeden Laien eine Sünde ist, nicht einander in den Lebensnotwendigkeiten beizustehen. (6) Während du frei bist von allem, was notwendig ist und alle tätig sind, sollen sie, wenn sie nicht erkennen, von den Diakonen belehrt werden, damit du das Nachdenken allein auf die Kirche richten kannst und darauf, sie gut zu leiten und die Worte der Wahrheit darzubieten.

6. Kapitel

(1(Wenn du nämlich durch Lebenssorgen der Muße beraubt wirst, stellst du dir selbst und den Hörern eine Falle; Wegen des Mangels an Muße ist es nämlich nicht möglich, das Notwendige zu beschaffen, und du wirst zugrunde gehen, wenn du das Notwendige nicht gelehrt hast, die aber nicht lernen, gehen wegen Unwissenheit verloren. (2) Wenn du also Muße für sie hast, lass dich bestimmen, das Wort, das zu retten vermag, zur rechten Zeit darzubieten, (3) und sie werden auf dich hören, da sie wissen, dass du der Gesandte bist, der das, was du auf Erden bindest, im Himmel gebunden ist, und das, was du löst, gelöst ist. Du aber wirst das binden, was gebunden werden muss und das lösen, was gelöst werden muss. (4) Und dies ist es, was dich als Vorstehenden betrifft und für sie das Entsprechende.

7. Kapitel

(1)Was aber die Ältesten betrifft, soll es dies sein. Vor allem die Jüngeren verbinden sich schnell zur Ehe, wobei sie die Verstrickungen jugendlicher Begierden auf sich nehmen. (2) Aber nicht einmal, wenn sie schon gealtert sind, sind sie gegenüber der Ehe gleichgültig; in einigen lebt nämlich, auch wenn sie gealtert sind, eine starke Begierde. (3) Damit also die Unzucht nich die Herde gegen uns ergreife und bei uns dieselbe Seuche einführe, sorgt vor und forscht, dass nicht das Feuer des Ehebruchs verborgen entflammt wird. (4) Der Ehebruch ist nämlich sehr schrecklich insofern er den zweiten Platz bei der Bestrafung einnimmt; da der erste denen verliehen wird, die sich in der Irrlehre befinden, auch wenn sie enthaltsam sind. . (5) Deshalb übt ihr Ältesten der Kirche die Braut des Gesalbten zur Enthaltsamkeit ein (Braut aber nenne ich die Gesamtheit der Kirche): (6) Wenn nämlich ein Enthaltsamer vom König der Braut ergriffen wird, wird er der höchsten Ehre teilhaftig werden und ihr werdet große Freude genießen, als die zur Hochzeit Geladenen. (7)Wenn aber die Sünde ertappt wird, wird sie hinausgeworfen werden, ihr aber werdet die zuerkannte Strafe entrichten, dass aus eurer Sorglosigkeit die Sünde entsteht.

8. Kapitel

(1)Denkt deshalb vor allem an die Enthaltsamkeit! Von Gott her wurde nämlich die gefährliche Unzucht sehr ausgegrenzt, (2) Die Unzucht hat aber viele Gestalten, wie euch Clemens selbst erklärt hat. Übrigens ist die erste (Unzucht) Ehebruch, wenn ein Mann nicht nur mit der eigenen Frau Umgang hat und eine Frau nicht nur mit dem eigenen Mann Umgang hat. (3) Wenn jemand enthaltsam ist und ein Menschenfreund werden kann, wird er deshalb ewiges Erbarmen erlangen. (4) Wie aber der Ehebruch ein großes Übel ist, so ist die Menschenfreundlichkeit das größte Gut. (5) Liebt deshalb eure Brüder mit ehrfürchtigen und barmherzigen Augen, indem ihr Waisen als Eltern behandelt, die Witwen als Ehemänner, die mit aller Freude einen Lebensunterhalt darbieten[11], den Jüngeren die Ehen, und für die Ungeschickten Gelegenheiten ersinnend, durch Beschäftigungen für den notwendigen Lebensunterhalt, für einen Handwerker Arbeit, für einen Schwachen Barmherzigkeit. Zu ihrem Zugang gibt es aber eine Gelegenheit.

9. Kapitel

(1)Ich weiß aber, dass ihr dies alles tut, wenn ihr die Liebe auf eurem Verstand gründet. Für ihren Zugang gibt es aber eine Gelegenheit, die gemeinsame Einnahme der Mahlzeiten[12] . (2) Deshalb bemüht euch, engere Tischgenossen zu werden, wie ihr könnt, so dass ihr sie[13] nicht verkauft; denn sie ist die Ursache des Wohltuens, aber das Wohltuen (Ursache) der Rettung.(3) Da wir also alle zusammen gehören, reicht allen, die im Sinne Gottes Brüder sind, das zum Leben Nötige dar, da ihr wisst, dass ihr in dieser Vergänglichkeit wandelnd, das Ewige empfangen werdet.(4) Speist vielmehr Hungernde und reicht Durstigen ein Getränk, Nackten Kleidung, besucht die Kranken, (5) geht zu denen in Gefängnissen, helft soweit ihr könnt, Nehmt die Fremden mit aller Bereitwilligkeit in die eigenen Häuser auf[14]. (5) Damit ich übrigens von Einzelheiten rede, die Menschenfreundlichkeit wird euch alles Gute zu tun lehren, wie der Menschenhass denen, die nicht gerettet werden wollen die Übeltat beibringt

10. Kapitel

(1)Die in Not sind sollen nicht über die Machthaber urteilen, sondern unter den Ältesten in der Gemeinde auf alle Weise zusammen halten, bereitwillig ihnen gehorchen. (2) Übrigens flieht auch die Habsucht als Anlass für irdischen Gewinn, welcher hinsichtlich der ewigen Güter schaden kann. (3) Beachtet sorgfältig Waagen, Maße, Gewichte. die Rechte der Ortschaften, geht gut mit dem Anvertrauten um. (4) Seid im Übrigen standhaft, dieses und was dem ähnlich ist bis zum Ende zu tun, wenn ihr das unbegrenzte Gedächtnis für das von Gott ergehende Gericht im den Herzen haben wollt. (5) Wer ist nämlich, wenn er sündigt, gewiss, dass von dem gerechten, jetzt langmütigen und guten Gott bei der Vollendung des Lebens das Urteil festgelegt wird, so dass die Guten künftig die unaussprechlichen Güter ewig genießen werden, die aber als Sünder gefunden werden, sich als Böse eine unaussprechliche Strafe in Ewigkeit, bereiten werden? Und dass es sich so verhält, hat zwar die Vernunft schnell bezweifelt, aber der Gottessprecher der Wahrheit hat eidlich gesagt, dass es sein werde.

11. Kapitel

(1)Deswegen legen die Schüler des wahren Gottessprechers die Uneinigkeit ab, aus der die Übeltat geschieht, und nehmen. bereitwillig das Tun des Guten auf. (2) Wenn aber einer von euch hinsichtlich dessen, was gesagt wurde, was sein wird, zweifelt, soll er ohne Scheu bekennen, sofern er sich überhaupt um seine Seele kümmert, und er soll von dem Vorsteher volle Genüge erlangen. Wenn er aber recht zum Glauben gekommen ist, soll er sich zuversichtlich verhalten als dem großen Feuer der Strafe entflohen und zur ewig guten Herrschaft Gottes gekommen.

12. Kapitel

(1)Also sollen die Diakone der Gemeinde die vernünftig umherschweifenden Augen des Bischofs sein, die Taten eines jeden in der Gemeinde fleißig ausforschen, wer im Begriff ist zu sündigen, damit er von dem Vorsitzenden durch Ermahnung schnell ergriffen werde und die Sünde nicht vollende; (2) die Ausreißer sollen sie umwenden, damit sie bei denen nicht fehlen, die herzu kommen, um die Worte zu hören, so dass die jederzeit im Herzen aufkommenden Ängste aus dem Verfall des Lebens und böser Reden durch das Wort der Wahrheit gereinigt werden können; da sie nämlich nach langer Zeit veröden und ein Werk des Feuers werden. (3) Aber auch die fleischlich Gesinnten sollen der unwissenden Menge entgegnen, damit sie sich zeigen und das, was fehlt, durch einen Ausspruch des Vorsitzenden darbieten. Aber auch, wenn sie es heimlich tun, sündigen sie nicht. Dies also und was dem ähnlich ist, sollen die Diakone zuvor bedenken.

13. Kapitel

(1)Die Unterrichtenden sollen unterrichten, nachdem sie zuerst unterrichtet worden sind; denn die Arbeit bezieht sich auf die Seele der Menschen. Denn der Lehrer der Worte muss die vielen Sprüche für die Lernenden zusammenstellen. (2) Deshalb muss der Lehrende vielseitig gebildet und tadellos, erprobt und furchtlos sein, wie ihr selbst gesehen habt, dass Clemens nach mir gelehrt hat. (3) Es ist nämlich viel, dass ich es jetzt im Einzelnen sage. Wenn ihr im Übrigen einträchtig seid, könnt ihr zum Hafen der Ruhe gelangen, wo die Friedensstadt des großen Königs ist.

14. Kapitel

(1)Die ganze Angelegenheit der Kirche ist nämlich wie bei einem großen Schiff, das durch heftige Stürme Männer von vielen Orten bringt, die in der einen Stadt eines guten Königs wohnen wollen. (2) Folglich sei für euch dessen[15] Gebieter Gott, und der Steuermann[16] sei dem Christos zu vergleichen, der Untersteuermann[17] dem Bischof, die Matrosen den Ältesten, die Aufseher über die Ruderknechte den Diakonen, die Navigatoren den Lehrern, die Passagiere die Menge der Brüder, (3) der Meerestiefe die Welt, die widrigen Winde den Versuchungen, die Verfolgungen und Gefahren, die mannigfachen Bedrängnisse den gewaltigen Wogen, die stürmischen Landwinde, das Tosen den Predigten der Irrlehrer und falschen Gottessprecher, (4) die Vorgebirge aber und die seichten Stellen den hervorragenden, fürchterlich drohenden Machthabern, Meeresarme[18] und wilde Orte den Unvernünftigen und denen, welche hinsichtlich der Bekanntgabe der Wahrheit zweifeln. (5) Die Heuchler sollen als den Piraten zu vergleichen erkannt werden. (5) Haltet übrigens dafür, dass die einzigen Ursachen der Sünde ein starker Schwindel und ein abgründiger Strudel und mörderische Brecher und tödliche Auflösungen sind.(6) Damit ihr also mit gutem Wind in den Hafen der erhofften Stadt segelnd, gefahrlos gehalten werdet, betet hörbar; hörbare Gebete werden aber zu Erfolgen.

15. Kapitel

(1)Deshalb sollen die Passagiere ruhig auf ihren Plätzen sitzen bleiben, damit nicht durch Unordnung eine Erschütterung oder Seitenlage[19] des Schiffes entstehen. (2) Die Navigatoren sollen an den Lohn erinnern. Die Diakone sollen nicht sorglos vertrauen. Die Ältesten sollen sich sorgfältig mit dem ausrüsten, was jeder braucht. Der Bischof soll wie ein Untersteuermann wachsam nur des Steuermanns Worte entgegenhalten. (3) Der Christos soll wie ein Retter als Steuermann geliebt werden, und nur dem, was er sagt, soll geglaubt werden. Alle aber sollen Gott um guten Wind zum Segeln bitten. (4) Die Segelnden sollen jede Drangsal erwarten wie eine große und stürmische Meerestiefe, wenn sie an der Welt entlang segeln; wenn sie mutlos sind, verfolgt, verstreut, hungrig, durstig, nackt, bedrängt, und wiederum einmütig, zusammen speisend, ruhend; (5) aber seekrank, schwindelig, sich erbrechend ( das ist: die Übertretungen wie eine krankmachende Galle bekennend, ich meine die aus bitterer Sünde und aus unordentlichen Begierden angehäuften Übel, welches euch durch das Bekennen wie durch Ausscheiden Erleichterung von der Krankheit verschafft, indem ihr die Rettung als Gesundheit aus der Fürsorge heranlasst.

16. Kapitel

(1)Außerdem wisst alle, dass der Bischof mehr als ihr alle arbeitet, denn jeder von euch erleidet seine eigene Drangsal, er aber seine eigene und die eines jeden. (2) Deshalb, o Clemens, jedem die Hilfe, wie es dem Vorsitzenden möglich ist, beladen mit den Sorgen aller. Woher du das Regieren übernommen hast, da ich weiß, dass du die Gnade empfangen, nicht gegeben hast. (3) Aber sei getrost und ertrage tapfer, weil du weißt, dass Gott dir vergelten wird, im Hafen der Ruhe das höchste der Güter zu erlangen, einen nicht wegzunehmenden Lohn, weil ich die meiste schwere Arbeit für die Rettung auf mich genommen habe . (4) So dass, wenn dich viele der Brüder wegen der Gerechtigkeit auf das Äußerste hassen, ihr Hass dich nicht schädigen kann, aber die Liebe des gerechten Gottes dich zieht. (5) So dass ich versuche, das aus Unrecht entstandene Lob abzuschütteln, aber das wegen einer gerechten Regierung das von Christus verdiente Lob zu erjagen.”

17. Kapitel

(1)Nachdem er dieses und noch mehr gesagt hatte, blickte er wieder auf die Menge und sprach: „Auch ihr aber, meine geliebten Brüder und Mitsklaven, hört in jeder Hinsicht auf den, welcher der Wahrheit vorsteht[20], da ihr wisst, dass derjenige, der Christos betrübt hat, dem der Lehrstuhl anvertraut wurde, nicht angenommen wird, weil er aufgehört hat, des Vaters zu gedenken[21], deswegen aus der guten Herrschaft hinausgeworfen wird.(2) Versucht deshalb zu allen Versammlungen zu kommen, damit ihr nicht, wie Deserteure den Vorwurf der Sünde der Feigheit empfangen müsst. (3) Deshalb besinnt euch alle vor allem auf das, was für einen das Beste ist, und wisst, dass der Böse durch einen jeden von euch mit ihm allein sehr feindselig kämpft.(4) Ihr werdet also auf die Probe gestellt, ob ihr die Zuneigung zu ihm und das Wohlwollens untereinander vollendet und auf ihn hört, damit auch er erleichtert wird und ihr gerettet werden könnt.

18. Kapitel

(1)Einiges aber müsst ihr von euch selbst erkennen, weil ihr das wegen der feindlichen Anschläge nicht offen sagen könnt, auf den ihr nicht, wenn er dir feindlich gesinnt ist, warten sollt, dass er redet; mit dem sollt ihr nicht wetteifern, sondern ihr sollt auf seine Absicht bedacht sein, da sie Feinde derer sind, die er hasst und nicht mit denen reden, mit denen er nicht redet; (2) damit jeder, der verurteilt ist, um doch alle zu Freunden zu haben, gerettet wird, wenn er sich versöhnt und gerettet wird und seinen[22] Reden zuhört. (3) Wenn aber einer ein Freund derer bleibt, die er hasst und mit denen redet, mit denen er nicht redet, ist er selbst auch einer von denen, welche die Kirche zerstören wollen; (4) Der nämlich mit euch leiblich verbunden ist, gehört der Gesinnung nach nicht zu euch, er ist gegen euch[23], viel schlimmer als diejenigen, auch äußerlich als Feinde erscheinen, mit scheinbarer Freundschaft zerstreut er die drinnen.”

19. Kapitel

(1) Nachdem er dies inmitten aller gesagt hatte, legte er mir die Hände auf[24] und beschämte mich damit, dass mich auf seinen Stuhl setzen ließ. (2) Als ich aber saß, sagte er mir sogleich dies: „Ich schätze dich mehr als alle

meine anwesenden Brüder, so dass, wenn ich von diesem Leben scheide (wie ich es schuldig bin), sende ich dich zu Jakobos, dem Bruder des Herrn, niedergeschrieben in einem kurzen Bericht sowohl bis (zurück) zu den Gedanken von deiner Kindheit an als auch, wie du mich von Anfang an bis jetzt begleitet hast, wobei du die von mir verkündeten Reden uns Taten gehört hast, danach wirst du am Ende auch die Vorhersage meines Todes, wie ich gesagt habe, nicht zögern zu offenbaren.(3) Du wirst das nämlich nicht sehr betrauern, da du weißt, dass ich überhaupt ein Ende fromm erleiden musste, werden große Tröstungen entstehen, denn du hast gelernt, dass nach mir keinem ungebildeten Mann und einem, der die Leben schaffenden Worte nicht kennt, noch die Regeln der Kirche weiß, der Stuhl des Lehrenden anvertraut wird; (4) Eine täuschende Predigt entführt nämlich die Seelen der zuhörenden Menge.”

20. Kapitel

Deshalb, mein Herr Jakobos, habe ich nicht gezögert[25], das auf mich zunehmen, was er das gesagt hatte, wie er es befohlen hatte, die Menge der Reden in den Städten, die ich für dich schon vorher aufgeschrieben hatte und von ihm geschickt worden sind, in Schriften nach den Hauptsachen herzustellen wie als ein Zeichen, und so dir mit Überschriften versehen zu schicken; Auszug der Reisepredigten des Petros; übrigens beginne ich mit dem Aufgetragenen, wie es befohlen wurde.

Übersetzt von Dr. Hans Jochen Genthe 2013

[01] V: Zu Vers 2 bis 3: Matth 16,17 – 18
[02] V: Matth 5,15
[03] V: Gal 1,5
[04] E: βιοσ im Sinne des kreatürlichen Lebens
[05] E: ζωη im Sinne des ewigen, eigentlichen Lebens
[06] V: Matth 16,19; 18,18; Joh 20,23
[07] E: βιοσ (spr. bíos) meint auch hier das irdische, weltliche Leben. Die lateinische Version sagt es deutlicher: „vitae huius“ (dieses Lebens)
[08] V: I.Kor 6,3
[09] E: Gemeint ist hier wieder das irdische, weltliche Leben, lateinische Version: „ mundalis negotii“.
[10] V: Luc 12.14
[11] V: Sir 4,10
[12] Ü: Wörtlich „des Salzes“. Einnehmen von Salz ist eine häufige Bezeichnung für eine gemeinsam Mahlzeit (Apgesch 1,4)
[13] E: gemeint ist die Liebe
[14] V: Matth 25,35 – 36
[15] E: des Schiffes
[16] E: Sein Platz war auf dem hinteren Teil des Schiffes
[17] E: Sein Platz war auf dem vorderen Teil des Schiffes
[18] V: Apgesch 27,41
[19] E: des Schiffes
[20] E: Welcher die Wahrheit lehrt, Matth 10,40; Joh 5,23; 13,20
[21] V: Matth 10,40; Joh 5,23; 13,20;
[22] E: Nach der lateinischen Version ist hier der Vorsteher der Gemeinde gemeint. Der kann auch nur mit der zweimaligen „er“ in diesem und im folgenden Vers gemeint sein
[23] V: Matth 12,30
[24] Ü: Man kann auch übersetzen: „Nachdem er dies gesagt hatte, legte er mir inmitten aller die Hände auf…“
[25] T: Die Handschrift O (Codex Vaticanus Ottobonianus gr.443 liest: „werde ich nicht zögern“