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1. Thessalonicherbrief

Der 1. Thessalonicherbrief gilt allgemein als der älteste erhaltene Paulusbrief und damit als das älteste christliche Zeugnis überhaupt. Der Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger ist m.W. der einzige, der das anders sieht. Er hat ein sehr eigenes Bild von der frühen Christenheit und in deren Rahmen gilt für ihn der I.Johannesbrief als das älteste christliche Zeugnis. Ich kann aber niemanden nennen, der ihm darin gefolgt wäre. I.Thess hat als Abfassungsort Korinth. Die Frage, die da erörtert wird, liegt uns etwas fern. Sie steht unter der Voraussetzung der unmittelbaren Naherwartung der Wiederkunft des Herrn. Da aber inzwischen einige Gemeindeglieder verstorben sind, fürchten die Christen in Thessalonich, daß sie deshalb das Endheil versäumen werden (Kap 4, 13.15). Demgegenüber belehrt sie Paulus über die Auferweckung der Toten (Kap 4, 16-18)

Ein Teil der Forschung vertritt die Meinung, daß unser I.Thess aus Teilen zweier Briefe bestehe, die der Apostel an die Gemeinde von Thessalonich gesandt habe. Man nennt das eine Briefkompilation. Da gerade die Paulusbriefe schon frühzeitig von Gemeinde zu Gemeinde weitergegeben worden seien, damit sie im Gottesdienst verlesen würden, habe man sie zu diesem Zweck nicht nur bearbeitet, sondern auch mehrere Briefe, die an die gleiche Gemeinde gerichtet seien so zusammengesetzt, daß sie zur Verlesung im Gottesdienst geeignet seien. Dabei sei einiges weggelassen worden, vor allem das Zeit- und Situationsbedingte, also gerade das, was wir gerne wissen würden. Diese Kompilationstheorie wird schon seit Jahrzehnten von prominenten Neutestamentlern vertreten, aber durchaus nicht von allen geteilt. Hinsichtlich des I.Thess kommt noch hinzu, daß sich die Vertreter der Kompilationstheorie über die Verteilung von I. Thess A und B innerhalb des uns vorliegenden I.Thess nicht einig sind. Der Berliner Neutestamentler Schenke hat eine Einteilung vorgelegt, die mich zwar überzeugt, aber sie hier anzuführen, würde zu weit führen.