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Zehnte Unterredung



1. Kapitel

(1)Nachdem Petros am dritten Tage in Tripolis am Morgen vom Schlaf aufgestanden war, ging er in den Garten zu einem großen Wasserbecken, in das viel Wasser floss. (2) Nachdem er sich dort gewaschen, auch gebetet hatte, setzte er sich, während wir uns herum setzten und auf ihn blickten, wie um zu vernehmen, was wir hören wollten, und sprach:

2. Kapitel

„Mir scheint, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen den Unwissenden und den Verirrten. Der Unwissende scheint mir nämlich zu vergleichen zu sein mit einem Manne bei einer blühenden Stadt, der sich nicht bewegen will, weil er das Schöne dort nicht kennt, aber der Verirrte, dem das Gute der Stadt mitgeteilt wurde, der aber beim Voranschreiten einen Steig verfehlt und sich deshalb verirrt. (2) So also scheint es mir einen großen Unterschied zu geben zwischen denen, die Götterbilder verehren und denen, die in der Frömmigkeit umherirren. Die nämlich die Götterbilder erehren kennen das ewige Leben nicht (deswegen strecken sie sich auch nicht danach aus; was sie nämlich nicht kennen, können sie nicht lieben), Die nämlich erfahren haben, den einen Gott zu verehren und dass das ewige Leben den Guten gegeben wird, wenn man etwas glaubt oder tut, was dem entspricht, was Gott gefällt, werden mit denen verglichen, die zwar zur Blühenden aufgebrochen sind, um zur Stadt der Strafe zu kommen und wurden auf dem geraden Weg in die Irre geführt.”

3. Kapitel

(1)Als er uns dies erklärte, kam einer der Unsrigen herein, der, während er das ruhig verkündigte, sagte: „ Eine große Menge, Herr Petros, steht vor den Türen.” (2) Nachdem er sich daraufhin umwandte, kam eine große Menge herein. Er aber stand auf und stellte sich auf den Piedestal von gestern und sagte, nachdem er (sie) nach frommer Sitte begrüßt hatte: (3) [01]Der Mensch, der nach dem Bilde und Gleichnis Gottes[02], der den Himmel und die Erde geschaffen und alles, was darin ist, gemacht hat, wie uns der wahre Gottessprecher gesagt hat), geworden ist, wurde zum Regieren und Herrschen eingesetzt, (4) ich meine aber die in der Luft und auf der Erde und im Wasser,[03] wie es sich aus seiner Oberhoheit ergibt, zu überblicken, dass er durch seine Einsicht das, was in der Luft ist, nach unten bringt, was in der Unterwelt ist, hinaufführt, das, was auf der Erde ist, jagt, und sogar das, was an Kraft mehr hat als er, ich meine aber Elefanten und Löwen und diesen Ähnliche.

4. Kapitel

(1)Denn er war fürwahr gerecht und höher als alle Leiden, wie er mit dem unsterblichen Leibe die Erfahrung des Schmerzes nicht machen konnte. Als er aber sündigte (wie wir gestern und davor gezeigt haben), ist er ein Sklave der Sünde geworden und wurde allen Leiden unterworfen und durch ein gerechtes Urteil aller Güter beraubt. (2) Es wäre nämlich nicht vernünftig gewesen, den Undankbaren die Gaben zu belassen, nachdem sie den Geber preisgegeben haben. Deshalb sandte er aus seinem übermäßigen Erbarmen sandte er seinen Gottessprecher, damit wir zugleich mit den ersten auch die künftigen ewigen Güter empfingen. (3) Aber der Gottessprecher befahl uns, zu sagen, was man denken und tun muss. Erbarmen legt er also auf unsere Vollmacht. (4) Was man deshalb denken muss, ist dieses: Gott, der alles gemacht hat zu verehren, Was ihr nämlich mit dem Verstand abgesondert habt, werdet ihr von ihm zugleich mit den ersten Gütern und den künftigen ewigen Gütern empfangen.

5. Kapitel

(1)Ihr könnt also selbst vom Nutzen überzeugt sein, wenn ihr der in eurem Herzen versteckten furchtbaren Schlange beruhigend sagt: `Den Herrn, deinen Gott sollst du fürchten und ihm allein dienen.´ [04] (2) Aus ganzem Verstande, ihn allein zu fürchten nützt es, nicht als einen Ungerechten, sondern als Gerechten. (3) Und wenn jemand einen Ungerechten fürchtet, wird er nicht zu Unrecht aus dem Wege geräumt, und es wird dir Genugtuung verschafft, wenn den Gerechten (fürchtend) du nicht der Sünde überführt wirst. [05] Wenn ihr alsomit einer Furcht vor ihm fürchtet, könnt ihr euch von vielen Schädlingen trennen. (4) Wenn ihr nämlich den einen Herrn und Schöpfer des Alls nicht fürchtet, werdet ihr Sklaven aller Übel bei ihrer Schädigung sein, ich meine aber der Dämonen und Leiden und alles dessen, was auf mancherlei Weise zu schaden vermag.

6,Kapitel

(1)Seid also getrost, und tretet zu Gott, die ihr zu Anfang eingesetzt worden seid über das All zu herrschen und zu regieren, die ihr sein Bild im Leibe habt[06] und ebenso im Verstand die Gleichheit der Erkenntnis. (2) Da ihr also das den unvernünftigen Tieren Vergleichbare getan habt, werdet ihr die Seele des Menschen zugrunde richten, so wurdet ihr wie die Forderungen der Dämonen zu Säuen[07]. Wenn ihr folglich das Gesetz Gottes annehmt, werdet ihr zu Menschen. (3) Es gibt nämlich nichts, was den unvernünftigen Tieren zu sagen wäre: ` Du sollst nicht töten, di sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen´ usw.[08] Seid deshalb untereinander nicht missgünstig, aufgerufen zu werden, um zum ersten Rang einzugehen. (4) Das ist nämlich möglich, wenn ihr durch die guten Taten Gott ähnlich werdet; Und wenn ihr durch die Ähnlichkeit gewertet werdet, seine Söhne zu sein, könnt ihr als Gebieter aller wieder eingesetzt werden.

7. Kapitel

(1)Beginnt also, die leere Furcht vor den leeren Götzenbildern abzulegen, so dass ihr die unrechte Sklaverei flieht; sie wurden nämlich unsre Gebieter, die Heillosen machen nämlich auch euch zu Sklaven. (2) Ich spreche aber von der Materie der seelenlosen Standbilder, denen zu dienen euch nichts nützt. Weder hört es nämlich, noch sieht es, noch nimmt es wahr, aber es kenn sich auch nicht bewegen. (3) Oder will denn jemand von euch so sehen, wie es sieht und hören wie es hört und wahrnehmen und sich bewegen? Doch abgesehen von diesem Schimpf trägt jeder Mensch das Bild Gottes, auch wenn er die Gleichheit verliert.

8. Kapitel

(1)Eure silbernen und goldenen oder aus irgend einer andern Materie entstandenen Götter werdet ihr in ihre ursprüngliche Natur wiederherstellen, und ich meine zu Schalen und Becken und all dem Übrigen, was euch zum Nutzen dienen kann. (2) aber ihr werdet wahrscheinlich sagen:` Die Gesetze der Vorgesetzten erlauben uns nicht, dies zu tun. Denn gut sind Gesetze und nicht die nicht vorhandene Kraft der eitlen Kulte. (3) Wie habt ihr denn die Götter selbst genannt, die von Hunden bewacht, von Riegeln beschützt werden? Und zwar wenn sie golden oder silbern oder bronzen sind; Denn die steinernen oder tönernen werden von ihrer Wertlosigkeit bewacht, denn kein Mensch bemüht sich, einen steinernen oder tönernen Gott zu stehlen. (4) So dass eure aus mancherlei Materie entstandenen Götter großer Gefahr unterworfen sind. Was für Götter sind das, die gestohlen, aus Erz gegossen, nach einer Richtschnur gemessen und bewacht werden?

9. Kapitel

(1)Ach, Gedanken der elenden Götter, toter als furchtsame Leichname! Ich kann die, welche niemals gelebt haben, nicht einmal Leichname nennen, es sei denn, sie sind die Grabmäler früherer Menschen. (2) Zuweilen nämlich hat sich nämlich einer an unbekannte Plätze gestellt und die Tempel, die er sah, nicht kannte, später sind es dann Gedenkstätten verstorbener Männer oder so genannter Götter. Als er aber erfuhr und merkte, dass es von Göttern ist, betete er an, weil er sich nicht gescheut hatte, denn wenn er sich nicht ausgestreckt und erfahren hätte, wäre er wegen der Ähnlichkeit mit einem Denkmal eines Verstorbenen vorübergegangen. (3) Übrigens ist es nicht nötig, dass mir wegen dieser (irrigen) Dämonenverehrung Belehrung erteilt wird. Es ist nämlich leicht für einen, der erkennen will, dass es nichts ist, außer wenn einer nicht sieht…[09]. (4) Übrigens auch, wenn er jetzt hört, dass er nicht hört und erkennt, dass er nicht erkennt. Man hat nämlich die Hände eines toten Menschen angefertigt (5) Wenn aber derjenige, der es angefertigt hat, gestorben ist, wieso wird das von ihm Gemachte nicht aufgelöst? Warum betest du also das Werk eines Verstorbenen an, da es doch gänzlich gefühllos ist? Wenn diejenigen, die Verstand haben, weder Tiere anbeten, noch die von Gott geschaffenen Elemente umschmeicheln, ich meine den Himmel, die Sonne, den Mond, die Sterne, die Erde, das Meer und alles, was in ihnen ist und urteilen, dass das von ihm Geschaffene nicht anzubeten ist, sondern Gott, den Schöpfer desselben und Darreichender zu verehren. (6) Darüber freuen sie sich auch, denn keiner von ihnen beansprucht die Ehre des Schöpfers,

10. Kapitel

(1)Sein allein ist nämlich die Ehre, dem allein Ungewordenen, denn alles Übrige ist Gewordenes. Wie also Gott das Eigentümliche des Ungewordenen ist, so ist also alles Gewordene nicht Gott. (2) Vor allem müsst ihr demnach den Gedanken an die betrügerische Schlange in euch als Übeltäter erwägen, der euch mit einem Versprechen besserer Erkenntnis betrügt[10], der aus dem Hirn in das Rückenmark kriecht, und ein großer Anschlag leitet euren Betrug.

11. Kapitel

(1)Wer das ursprüngliche Gesetz kennt, dass, wenn euch irgend ein Gedanke an so genannte Götter herangetragen wird, ihr gegen das Gute der Alleinherrschaft sündigen würdet, und der Gewinn wird für ihn euer Untergang sein, mit diesem Wort: (2) Er ist verurteilt, weil er Erde gegessen hat[11] und hat Vollmacht, den wegen der Sünde in Erde Aufgelösten[12] zu essen, [13]während eure Seelen in den Magen seines Feuers[14] kommen. Es erinnert euch an euren Eigendünkel, so dass ihr das erleidet

12. Kapitel

(1)Von ihm werden nämlich alle trügerischen Meinungen gegen die Alleinherrschaft in den Verstand zu eurem Schaden hineingesät. Zuerst nämlich, dass ihr, wenn ihr nicht auf die Worte der Frömmigkeit hört, die Unwissenheit als Ursache der Übelgenießen werdet, unter dem Vorwand der Erkenntnis stellt er eine Falle…[15], das ist die Meinung guter Absicht, denn wenn einer die Worte der Frömmigkeit nicht hören würde, sei er nicht `des Gerichts schuldig´[16]. (2) Deshalb wollen so auch einige Betrogene nicht hören, sodass sie unwissend sind, die nicht wissen, dass die Unwissenheit selbst ein tödliches Gift ist. Wenn nämlich jemand unwissend das tödliche Gift nicht nimmt, stirbt er nicht. (3) So töten die Sünden den Sünder auf natürliche Weise, auch wenn er unwissend tut, was man nicht darf.

13. Kapitel

(1)Wenn aber schon auf das Überhören der Worte hin das Gericht geschieht, um wie viel mehr wird Gott diejenigen verderben, die die Frömmigkeit ihm gegenüber nicht annehmen wollen. Wer nämlich nicht lernen will, um nicht schuldig zu werden, wird schon wie ein Wissender verurteilt. (2) Er weiß nämlich, was er nicht hören will, so dass die Absicht nichts zur Verteidigung vermag vor Gott, `dem Herzenskündiger´[17] . Flieht deshalb die listigerweise eurem Verstand untergeschobene Erwägung der Schlange.(3) So dass auch einen, der als wahrhaft Unwissender das gegenwärtige Leben beendet, der Vorwurf trifft, dass er die Lebenszeit nicht kannte und wer ihm auch von den ihm dargereichten Speisen als Wohltäter bereitgestanden hat, und er wird als stumpfsinniger, sehr undankbarer unwürdiger Knecht Gottes aus der Herrschaft ausgestoßen[18].

14,Kapitel

(1)Und wiederum unterschiebt euch die furchtbare Schlage, dies zu denken und dasselbe zu sagen, was so ziemlich die meisten von euch sagen: ` Wir wissen, dass es einen Herrn aller gibt, aber auch sie sind Götter. (2) Auf gleiche Weise ist der Caesar einer, er hat aber unter sich Verwalter ( Konsuln, Prokonsuln, Tribunen, Centurionen, Dekurionen), Auf die gleiche Weise wie ein großer Gott ist entsprechend dem Caesar, und auch sie sind gemäß den untergeordneten Machthabern Götter, ihm unterworfen, aber uns verwaltend. (3) Hört also diese Vermutung, sie von ihm mit einem furchtbaren Gift beschmiert worden sind (ich meine aber die böse Vermutung eines Vorbildes), so dass ihr wisst, was gut und was böse ist; ihr habt nämlich noch nicht emporgeblickt, denn ihr habt auch nicht die von euch Verworfenen angeblickt.

15. Kapitel

(1)Wenn ihr nämlich behauptet, dass, wie der Caesar Gott entspreche, so auch die untergeordneten Mächte (die so genannten Götter), so verhaltet ihr euch auch nicht nach eurem Vorbild. (2) Wenn ihr euch nämlich verhalten habt, dann will ich wissen, ob es etwa erlaubt ist, Caesars Namen einem andern zu geben (ich meine aber entweder einem Konsul oder einem Proconsul oder einem (1)Tribun oder irgend einem andern), es sei denn der Geber lebt nicht mehr oder der Empfänger wird umgebracht, so ist es nicht erlaubt, dass der Name Gottes, eures Vorbildes, einem andern gegeben wird; (3) zumal derjenige, der versucht zu nehmen oder zu geben zugrunde geht. (4) Wenn aber der Hochmut eines Menschen Gericht bewirkt, wie viel mehr werden diejenigen, welche andere Götter als Gott bezeichnen, als Hochmütige einer ewigen Strafe unterworfen. (5) Und vernünftiger Weise, denn den euch übergebenen Namen seiner Alleinherrschaft zu ehren, seid ihr zu schwach, wenn ihr euch dem ganzen Hochmut unterwerft; (6) Denn sein Name ist wahrhaftig nicht Gott, aber ihr Empfänger habt das, was euch gegeben worden ist, eine Zeit lang schimpflich behandelt, sodass, wie ihr ihn gebraucht habt, er wahrhaftig als sein Name gegolten hat; ihr aber habt ihn der ganzen Frechheit unterworfen.

16. Kapitel

(1)Zugleich freilich unterlegten die Gründungsväter unserer Ägypter, die sich der übernatürlicher Dinge rühmten und verkündeten, die Naturen der Sterne zu unterscheiden, durch die bösen Gedanken in ihrem Inneren mit aller Schande das, was ihnen gemäß war.(2) Die einen von ihnen beschlossen nämlich, einen Stier als so genannten Apis zu verehren, andere aber einen Bock, andere eine Katze, wieder andere eine Schlange, aber auch einen Fisch und Zwiebeln und die Winde der Bäuche und die Darmkanäle[19] und die Gliedmaßen unvernünftiger Tiere, auch mit anderen Zehntausendgänzlich schändlicher Unsinnigkeiten.”

17. Kapitel

(1)Als Petros das gesagt hatte, lachte die dabei stehende Menge. Und Petros sprach zu dem Lacher: „Ihr verlacht das von jenen und wisst nicht, dass ihr von ihnen verlacht werdet. (2)Nur das der Anderen verlacht ihr; ihr seht nämlich nicht, dass ihr zum Betrug von schlechter Gewohnheit belastet seid. Denn wahrhaftig mit Recht verlacht ihr die Ägypter, ich stimme zu, da vernünftige Wesen unvernünftige Tiere anbeten, das gänzlich Sterbliche. (3) Hört aber, wie auch jene reden, die euch auslachen: ` Wenn wir auch´ sagt er `Wenn wir auch Verstorbenes anbeten, was aber auch einst gelebt hat, dann betet ihr aber das an, was niemals gelebt hat.´ (4) Weiter sagen sie:` Wir wollen die Gestalt des einen Gottes verehren, und da wir nicht fanden, wie beschaffen sie ist, nahmen wir jede Gestalt, um (sie) zu verehren.´

18. Kapitel

(1)Deshalb antwortet ihr ihnen auch: `Ihr lügt; ihr verehrt es nämlich nicht aus Ehrfurcht vor dem wahren Gott; ihr alle betet nämlich jede Gestalt an, nicht wie ihr handelt.(2) Die nämlich denken, eine Zwiebel sei das Göttliche, und die, welche die Winde des Bauches verehren, widersetzen sich; und so verehren alle ein und dasselbe und ihr flieht das der Anderen. (3) Durch den Unterschied aber der Gliedmaßen desselben Tieres verehrt der eine dies, ein anderer aber das Andere. (4) Abgesehen von denen, die noch die Sache der richtigen Vernunft vertreten, die sich der offenkundigen Schande schämen, es mit Allegorien zu behandeln versuchen, wollen sie das Tödliche ihres Betruges befestigen. (5) Ebenso erörtern die auch die Allegorien, wenn wir schon dort sind, deren sich ein derart törichtes Leiden bemächtigt, um eine höchste Krankheit[20] der Einsicht beizumischen. Es ist nämlich nicht nötig, eine Salbe auf den gesunden Teil des Körpers aufzutragen, sondern auf den kranken. (6) Da ihr also, weil ihr die Sache der Ägypter verlacht habt, habt ihr gezeigt, dass ihr nicht unter demselben wie jene leidet, wovon ihr also überzeugt seid, und es war vernünftig, dass ich bei euch bin, um euch die Heilung von euren Leiden zu reichen.

19. Kapitel

(1)Wer also Gott zu verehren begehrt muss vor allem wissen, was die alleinige Eigenart der Natur Gottes ist, die unmöglich mit etwas anderem verbunden sein kann, so dass man auf sein Eigenes blickt und es bei einem andern nicht findet, niemals wird er getäuscht, dass es einen andern Gott gibt. (2) Die Eigenart Gott ist aber, dass er der Einzige, wie auch der Schöpfer von allem ist, so auch der Bessere. Besser aber ist er durch die Kraft, das Geschaffene zu schaffen, das Unendliche bis zur Größe des Geschaffenen, bis zur am besten gestalteten Gestalt, bis zur glückseligsten Glückseligkeit, bis zur vollkommensten Vernunft. (3) Ebenso hat er auch in allem anderen Vorrang. (4) Da folglich (wie gesagt) die Eigenart Gottes selbst besser als alles ist und die von ihm geschaffene Welt alles umschließt, muss man sagen, dass nichts des von ihm Geschaffenen mit ihm verglichen werden kann.

20. Kapitel

(1)Wer aber nicht das Unwandelbare und Unüberbietbare hat und überall von allen Seiten bedürfnislos ist, kann kein Gott sein. Wenn aber die ganze Welt dies nicht sein kann, wie sie geworden ist, um wie viel weniger können seine Teile vernünftigerweise Gott genannt werden. (2) Stücke aber nenne ich die von euch so genannten Götter, die aus Gold und Silber und Bronze und Stein und aus anderer Materie entstanden sind, und dies von sterblichen Händen Geschaffene. (3) Ebenso aber sehen wir auf das, was die furchtbare Schlange durch den Mund eines Menschen durch Betrug den Betrogenen wegstiehlt.

21. Kapitel

(1)Die Vielen sagen nämlich: `Wir verehren nicht das Gold, auch nicht das Silber, nicht das Holz oder den Stein (Auch wir wissen nämlich, dass dies nichts als seelenlose Materie ist und die Kunst eines sterblichen Menschen), sondern den in ihnen wohnenden Geist, den nennen wir Gott.´ Hüte dich vor denen, die dies als Bosheit sagen. Da nämlich das Sichtbare leicht zu widerlegen ist, denn es ist nichts da, fliehen sie ins Unsichtbare, wie etwas nicht Offenbares nicht geprüft werden kann. (3) Übrigens stimmen sie uns zum Teil zu, dass die Hälfte ihrer Götterbilder kein Gott, sondern empfindungslose Materie ist. Außerdem bleibt fürsie noch übrig, zu zeigen, wieso es einen göttlichen Geist hat. (4) Aber es ist unmöglich, (es) uns zu zeigen, dass es ist, da es nicht ist, und wir glauben nicht, dass es von ihnen gesehen wird. Wir werden ihnen den Beweis erbringen, dass es keinen göttlichen Geist hat, so dass sie nur scheinbar lebendig sind, und wenn die Freunde der Wahrheit (dies) hören, wenden sie sich empört von der Behauptung ab.

22. Kapitel

(1)Zuerst, verehrt ihr es wie einen Lebendigen und betet die Gräber der früheren Manschen an, obwohl sie anerkanntermaßen keinen göttlichen Geist haben? So redet ihr in dieser Hinsicht auch nicht die Wahrheit. (2) Wenn sich übrigens euer verehrungswürdiger Gegenstand bewegen würde, eine Stimme hätte, die Spinnengewebe auf ihnen abschütteln würde, die ihnen nachstellen und (sie) stehlen wollen entfernen würden, welche die Standbilder abbrechen, würde es leicht festnehmen. Jetzt aber tun sie nichts dergleichen, sondern sie werden wie Verurteilte bewacht (und besonders die am meisten Verehrten), wie ich auch zu Anfang gesagt habe. (3) Was aber? Betrügen euch nicht die Machthaber mit Abgaben und Steuern in ihrem Interesse, wie auch vieles den Pächtern [21]von ihnen dort? Was aber? Wurden sie nicht oft durch Kriege[22] beraubt, und …[23] wurden verteilt. (4) Haben nicht viele Priester derer, die außerhalb den Kult verrichteten, welche die Nutzlosigkeit des Kultes bei sich bemerkten, viele der Standbilder heimlich beseitigt?”

23. Kapitel

(1)„Ja”, sagte er, „aber mit ihrer Absicht wurden sie entdeckt.” „Es ist eine Lüge. Denn wie viele von ihnen wurden nicht entdeckt? (2)Wenn aber sie aber durch das Ergriffenwerden einiger die Kraft haben zu sagen: `Sie wurden in die Irre geführt.´. Einige der Grabräuber werden nämlich auch gefunden, andere aber bleiben verborgen, und fürwahr nicht durch die Kraft der Toten wurden die, welche ergriffen wurden, entdeckt.” (3) Dieses und hinsichtlich der gestohlenen und geraubten Götter ist von euch zu bedenken.´ `Aber´ (sagte er)´sie haben nicht ihrer Lebenden gedacht, in denen Götter sind.` (4) Wozu also pflegt ihr sie, wischt sie ab, wascht, reinigt, bekränzt sie, räuchert ihnen? Deshalb überlegt hier und tut es nicht mit richtigem Verstand. Wie ihr nämlich die Toten beweint, so räuchert und opfert ihr auch euren Göttern.

24. Kapitel

(1)Dies stimmt fürwahr nicht mit dem Vorbild Caesars und der Mächtigen unter ihm überein, dass ihre Verwalter sagen: Wenn ihr eure ganze Absicht vollbringt, wie ich vorher gesagt habe, dann versorgt ihr eure Standbilder in jeder Hinsicht. Sie sind nämlich unfähig, etwas zu tun. (2) Deshalb habt ihr zu uns gesagt: Was verwalten sie? Was tun die am Ort Führenden? Was bewirken die Sterne Gottes? (3) Oder scheinen sie wie die Sonne, denen ihr Leuchter anheftet? Nicht wie die Wolken Regen bringen, und sie selbst können Regen bringen, aber können sie selbst etwa etwas unternehmen[24], wenn nicht die Menschen etwas unternehmen? Oder reichen sie Früchte an demselben Ort auf dem Lande, an dem ihr Opfer darbringt? Also können sie nichts.

25. Kapitel

(1)Wenn sie aber auch unfähig sind, etwas zu tun, habt ihr sie doch richtig Götter genannt, wenn es auch nicht erlaubt ist, die Elemente Götter zu nennen, durch welche die Güter gereicht werden. Aber den, der sie geordnet hat, um alles für unsern Gebrauch zu vollenden und dem Menschen zu arbeiten befohlen hat, nennen wir mit einem richtigen Wort den einzigen Gott. Dessen Wohltat ihr nicht wahrnehmt, und die euch als Unterworfene zugeteilten Elemente habt ihr als Herrscher verkündet. (2) Und was muss hinsichtlich der Elemente gesagt werden? Wenn ihr die seelenlosen Standbilder, die ihr gemacht habt, nicht nur anbetet, sondern überhaupt als ihnen Unterworfene ehrt. (3) Deshalb seid ihr durch sie wahnsinnig geworden, seid den Dämonen untertänig geworden. Übrigens könnt ihr durch die Erkenntnis Gottes selbst durch die guten Taten wiederum Gebieter und den Dämonen übergeordnet werden und als Söhne Gottes zu Erben der ewigen Herrschaft aufgestellt werden.”

26. Kapitel

Nachdem er dies gesagt hatte, befahl er, die Dämonischen und von Krankheiten Ergriffenen zu ihm zu bringen, nachdem sie gebracht, die Hände aufgelegt worden waren und er gebetet hatte, entließ er sie gesund, wobei er sie und das hier dabei sitzende Volk erinnerte, und er sprach so viele Tage, wie sie sich aufhielten. (3) Als dann die anderen weg gegangen waren und sich Petros mit denen, die es wollten in dem dortigen Wasserbecken gewaschen und befohlen hatte, dass sie wegen des Schattens unter dem dichten Laub der Bäume auf der Erde ausgebreitet werden sollten, bewirkte er, dass jeder nach Wunsch hingelegt wurde; und so empfingen wir Speise. (3) Nachdem wir also nach dem gewohnten Glauben der Hebräer gebetet und Gott für die Erquickung[25] gedankt hatten, war noch viel Zeit, uns zu befragen, was wir wollten mit denen, die er (uns) anvertraut hatte. (4) Und zugleich entließ er zwanzig, die bei uns waren in jeder befragten Gruppe. Als aber schon der Abend nahte, gingen wir zusammen mit ihm in das weiträumige gastfreundliche Haus, und dort schliefen alle.

Übersetzt von Dr. Hans Jochen Genthe 2013

[01] V; Gen 14,19; Apgesch 17,24
[02] V: Gen 1,28
[03] V: Gen 1,28
[04] V: Dt 6,13; Matth 4,10
[05] V: Spr 1,7. 29. 33
[06] V: Gen 1,28
[07] V: Matth 8,30 = Marc 5,11 = Luc 8,32
[08] V: Ex 20, 13 – 15
[09] T: Der folgende Text ist gestört
[10] V: Gen 3,5
[11] V: Gen 3,14
[12] T: Die syrische Übersetzung und die lateinische Übersetzung der Recognitionen Rufins lesen hier: „Erde Gewordenen“
[13] Ü: Von hier an bis zum Ende des Satzes ist die Übersetzung nicht sicher
[14] Ü: Oder: „in seinen Magen des Feuers“.
[15] T: Von hier an ist der Text gestört
[16] V: Matth 5,21
[17] V: Apgesch 1,24; 15,8
[18] V: Matth 25,26
[19] Ü: Oder: „die Kloaken“
[20] E: „Höchste Krankheit“ μεγιστη μοσοσ (spr. megíste nósos) = Geisteskrankheit
[21] T: Die Codices Ottobonianus (O) und Parisinus (P) lesen hier: „ihretwegen“
[22] T: Die Übersetzung folgt hier der Lesart im Codex Ottobonianus ( O) und Parisinus (P)
[23] Ü: Unübersetzbares Wort?
[24] T: Die Übersetzung folgt hier der Lesart im Codex Ottobonianus (O) und Parisinus (P)
[25] T: Die Codices Ottobonianus (O) und Parisinus (P) lesen hier: „Sättigung“