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Siebente Unterredung



1. Kapitel

(1)Am dritten Tage unseres Aufenthalts in Tyros kamen am Morgen dem herauskommenden Petros Nachbarn entgegen und zwar nicht wenige und sehr viele aus Tyros selbst und erhoben die Stimme mit den Worten: „ Gott erbarme sich unser um deinetwillen, um deinetwillen heile er!” (2) Petros stellte sich auf einen hohen Stein, um von allen gesehen werden zu können, und nachdem er mit dem gottesfürchtigen Gesetz gegrüßt hatte, begann er so:

2. Kapitel

„Für Gott, der den Himmel und alles geschaffen hat, fehlt kein Anlass zur Rettung derer, die gerettet werden wollen. (2) Deshalb soll er unter denen, die unnütz erscheinen, von der Frechheit beschuldigt werden, dass er nicht menschenfreundlich sei. Für die Menschen sind nämlich die Zwecke dessen, was einem Menschen widerfährt zwar unbekannt, sodass Böses geargwöhnt wird, Gott aber ist der Ausgang glücklicherweise bekannt. (3) Zugleich ist Simon fürwahr die linke Kraft Gottes und hat die Macht zur Übeltat derer, die Gott nicht kennen, konnte er euch nicht durch Krankheiten fangen, welche euch unterworfen haben, nachdem sie durch die gute Vorsehung Gottes zu sein zugelassen worden sind, damit er die Suchenden und Findenden heilen kann, wobei aus dem Anlass der Heilung des Leibes diejenigen, die gesonnen sind, Gott zugehorchen das Gemeinte annehmen, damit ihr zugleich mit den geretteten Leibern gerettete Seelen habt.

3. Kapitel

(1)Ich erfahre also, wie er ein Rind geschlachtet und euch mitten auf dem Marktplatz bewirtet hat, und so wurdet ihr durch vielen Wein in die Irre geführt, und zugleich mit den bösen Dämonen habt ihr ihren Obersten freundlich aufgenommen und so die meisten eurer Leiden empfangen, wobei ihr durch die Ursache der Unwissenheit mit eigenen Händen das Schwert des Verderbens mit eigenen Händen gegen euch gezogen habt. (2) Die Dämonen hätten nämlich keine Macht gegen euch, wenn ihr nicht vorher mit ihrem Obersten zusammen gespeist hättet. (3) So herrschen nämlich jedes Mal zwei von allen Geschöpfen Gottes, zur Rechten und zur Linken, und ein Gesetz wurde festgelegt, dass nicht jeder von ihnen Macht hat, wenn er nicht zuvor Tischgenosse von jemandem gewesen ist, dem er Gutes oder Böses tun will.(3) Wie ihr also als Teilnehmer der Opfer für die Dämonen dem Anführer des Bösen versklavt worden seid, so, wenn ihr davon ablasst und durch den guten und rechten Anführer bei Gott Zuflucht sucht, ohne Opfer die Ehren erweist, die er will, wird es euch gut gehen, dass ihr mit der Heilung des Leibes auch gesunde Seelen haben werdet. (5) Er ist nämlich der Einzige, welcher durch Beseitigung des Linken vermittels des Rechten lebendig machen kann, ebenso einen Liegenden stoßen und aufrichten[01].

4. Kapitel

(1)Weil ihr zuerst von dem zuvor gekommenen Simon vorher getäuscht worden seid, sind eure Seelen für Gott gestorben und eure Leiber zerstoßen; Ebenso könnt ihr aber (wie ich gesagt habe) durch Sinnesänderung das, was Gott gefällt, annehmen und die Leiber stärken und die Seelen wieder herstellen. (2) Das, was Gott gefällt, ist das Beten zu ihm, ihn zu bitten, wie alles im entscheidenden Gesetz gegeben ist, sich fernzuhalten vom ` Tisch der Dämonen´[02], nicht vom toten Fleisch genießen, nichts vom Blut berühren, sich von jeder Besudelung abzuwaschen[03]. (3) Das Übrige aber mit einem Wort, wie es die Gott verehrenden Judäer gehört haben, und ihr alle werdet als Annehmende unter vielen Leibern eine Weisheit hören: Was jeder für sich Gutes will, dasselbe soll er auch für seinen Nächsten wollen[04]. (4) So soll jeder von euch das Gute bedenken, ob für ihn dieses gesagt worden ist: Willst du nicht ermordet werden, dann ermorde nicht einen andern; willst du nicht, dass deine Frau von einem andern zum Ehebruch verführt wird, dann verführe die Gattin; eines andern nicht zum Ehebruch; willst du nicht, dass das Deine gestohlen wird, dann stiehl nichts von einem andern. (5) Und wenn ihr selbst so das Vernünftige bedenkt und tut, mit Gott befreundet werdet, werdet ihr die Heilung erlangen, da eure Leiber auch in dem gegenwärtigen Weltalter gepeinigt und eure Seelen im kommenden gestraft werden.”

5. Kapitel

(1)Nachdem sie so von Petros einige Tage lang unterrichtet und geheilt worden waren, wurden sie getauft, und die Übrigen saßen bei seinen Wundertaten alle in Masse in Asche und Sack auf den Marktplätzen und wandten sich von ihren früheren Sünden ab. (2) Und als die in Sidon das hörten, taten sie dasselbe und sandten Schutzflehende zu Petros, da sie wegen der Krankheiten nicht zu ihm kommen konnten. (3) Nachdem Petros aber einige Tage in Tyros verweilt, alle dort unterrichtet und von mancherlei Krankheiten befreit, auch eine Gemeinde gegründet hatte und aus den Ältesten, die ihm gefolgt waren, einen Bischof eingesetzt hatte, begab er sich nach Sidon. Als aber Simon erfuhr, dass Petros gekommen war, zog er mit Appion und seinen Gefährten nach Berytos.

6. Kapitel

(1)Als Petros nach Sidon kam, trugen sie viele auf Betten und stellten (sie) vor ihn. (2) Er aber sprach zu ihnen: „Meint bloß nicht, dass ich etwas zu eurer Heilung vermag, als sterblicher Mensch und kann selbst vielen Leiden unterworfen sein[05]; Ich verheimliche euch aber nicht die Weise durch wen ihr gerettet werden könnt, und ich habe selbst von dem Gottessprecher der Wahrheit die von Gott` vor der Gründung der Welt´[06] bestimmten Grundsätze erfahren, (3) ich sage aber, für welche bösen Taten er die Menschen bestimmt hat, die durch den Obersten des Bösen vollbracht werden, ebenso für welche guten Taten er zuvor festgesetzt hat, dass die Leiber derer, die an ihn Glauben, gerettet werden, danach auch die Seelen zur Unzerstörbarkeit aufgerichtet werden.

7. Kapitel

(1)Da ihr fürwahr die guten und die bösen Taten kennt, zeige ich euch zwei Wege[07] an, indem ich zeige, wodurch die (ihn) beschreiten zugrunde gehen, wodurch aber die von Gott geleitet Gehenden gerettet werden. (2) Der Weg derer also, die zugrunde gehen, ist zwar breit und eben, aber ohne Mühsal gehen sie zugrunde, der aber der Geretteten ist zwar eng und steinig, gerettet werden aber am Ende diejenigen, die ihn voll Mühsal durchschreiten. (3) Diesen beiden Wegen sind Unglaube und Glaube vorangestellt, und diejenigen, die sich für die Vergnügungen entschieden haben, gehen durch den Unglauben, aber durch….[08] nicht beachten, das Nützliche zu erstreben. (4) Sie kennen fürwahr nicht die den Menschen entsprechenden Absichten Gottes[09]. Zuerst kannte er zwar die Meinungen aller, und nicht indem nur angefangen wird, sonder indem auch jeder durch Nachdenken verbessert wird. (5) Umso weniger aber fangen die Gottlosen an, Gutes zu denken und verfehlen gänzlich das begonnene Gute. (6) Denn Gott selbst meinte, dass derjenige, der in menschliche Verfehlungen zurückgefallen und nach Maßgabe menschlicher Verfehlungen bestraft worden ist, gerettet werde. (7) Diejenigen aber, welche den Anfang und das Bessere des Erkennens vernachlässigen, auch wenn die zehntausend andere gute Taten vollbringen, aber nicht in der Frömmigkeit, die er selbst bestimmt hat, geboren werden, erhalten sie in höchstem Maße den Vorwurf der Nachlässigkeit und werden zur Strafe gänzlich ausgetilgt.

8. Kapitel

(1)Dies aber ist die von ihm bestimmte Frömmigkeit: Nur ihn zu verehren und dem einzigen Gottessprecher der Wahrheit zu glauben und ` zur Vergebung der Sünden´ getauft zu werden[10] und durch das Eintauchen zur Reinheit für Gott wiedergeboren zu werden durch das rettende Wasser[11], nicht teilzunehmen am ` Tisch der Dämonen´ [12](ich rede aber vom Götzenopfer, vom Toten, vom Erstickten, wilden Tieren, Blut)[13], (2) nicht unrein zu leben, sich vom Beischlaf mit einer Frau zu waschen, dass sie fürwahr auch die monatliche Reinigung wahren, dass alle besonnen sind, gut handeln, kein Unrecht tun, von dem alles vermögenden Gott ewiges Leben erhoffen, dass die Bittenden es gemeinsam durch Gebete und Fürbitten empfangen.” (3) Nachdem Petros dies in Sidon gepredigt hatte und nach einigen Tagen dort viele andern Sinne wurden und zum Glauben kamen und geheilt wurden, gründete er eine Gemeinde und setzte von den ihm nachfolgenden Ältesten einen zum Bischof ein und verließ Sidon.

9. Kapitel

(1)Als er aber nach Berytos hinaufstieg, geschah ein Erdbeben. Und die Menge kam zu Petros und sprach: „ Hilf, wir fürchten uns nämlich (sagten sie), dass wir nicht alle emporgehoben zugrunde gehen.” (2) Da erfrechte sich Simon zusammen mit Appion und Annubion und Athenodoros und seinen übrigen Gefährten öffentlich der Menge gegen Petros zuzurufen: (3) „Flieht, Männer, vor diesem Mann; er ist ein Zauberer, glaubt, auch das Erdbeben hat er für euch gemacht, und die Kranken hat er fortgeschafft, damit ihr erschreckt werdet, als sei er ein Gott.” (4) Und vieles dergleichen, als könne Petros mehr als menschliche Kraft, logen die, die zu Simon gehörten. (5) Nachdem aber Petros der Menge Ruhe geboten und kurz gelächelt hatte, sagte er mit erstaunlicher Offenheit: „ Männer, was diese sagen bekenne ich, mit Gottes Willen fähig sein zu tun, aber darüber hinaus bin ich bereit, wenn ihr mir hinsichtlich dessen, was ich sage, dass eure ganze Stadt zertreten wird.”

10. Kapitel

(1)Da nun die Menge furchtsam war, war sie auch bereit, zu versprechen, das zu tun, ihnen von ihm befohlen war, „Keiner von euch”, sprach Petros, „gebe sich mit diesen Betrügern ab, noch gehe er mit ihnen um.” (2) Sowie die Massen das Befohlene hörten, nahmen sie kurzerhand Knüppel und verfolgten sie bis sie sie gänzlich aus der Stadt vertrieben hatten, (3) Und als sie ihre Kranken und Dämonischen brachten, warfen sie sich vor Petros nieder. Als er dies und ihre Betroffenheit sah, wollte er beruhigen und sagte zu ihnen:

11. Kapitel

(1)„Ich konnte das Erdbeben und alles, was ich will, vollbringen, sage aber nicht, dass ich Simon und seine Genossen vernichtet habe (ich wurde nämlich nicht zur Vernichtung der Menschen gesandt), sondern ich habe ihn zu meinem Freund gemacht, damit er nicht meine wahrhaftige Verkündigung zur Rettung für viele verleumde und hindere. (2) Wenn ihr mir aber glaubt, ist er ein Zauberer, ist er ein Verleumder, ist er ein Diener des Bösen für diejenigen, welche die Wahrheit nicht kennen; und deshalb kann er bewirken, dass sie die Krankheiten verfehlen, wobei er Mitarbeiter hat, die sich gegen ihre Kraft versündigen. (3) Ich aber bin ein Sklave des Gottes, der alles geschaffen hat, ein Schüler dessen, der zu seiner Rechten ist. Deshalb bin ich in Wahrheit sein Gesandter. (4) Ich diene nämlich im Guten und vertreibe Krankheiten. Ich wurde nämlich als Zweiter gesandt; da zwar die Krankheit voran gegangen ist, folgte aber die Heilung, wenn ihr wegen jenes Übles tuenden Zauberers Gott widersteht, werdet ihr krank werden, durch mich aber, wenn ihr ihm[14] glaubt, werdet ihr geheilt werden. (5) So nämlich erhaltet ihr die Erfahrung dessen, was möglich ist, indem ihr euch zum Tun des Guten wendet und eure Seelen gerettet werden können.”

12. Kapitel

(1)Als er dies sagte fielen alle vor seinen Füßen auf die Knie. Er aber erhob seine Hände zum Himmel und betete zu Gott und heilte alle durch ein einziges Gebet. (2) Nachdem er sich mehrere Tage in Berytos aufgehalten und viele an die Verehrung der Alleinherrschaft gewöhnt und getauft hatte, bestimmte er einen von den Ältesten, die ihm folgten, zum Bischof für sie und reiste nach Byblos. (3) Und als er dort war, erfuhr er auch, dass sich Simon auch nicht einen Tag bei ihnen aufgehalten hatte, sondern sogleich nach Tripolis gezogen, einige Tage bei ihnen geblieben war und nicht wenige geheilt und sie in Bücher eingeübt hatte, und auf Simons Spur reiste er nach Tripolis, ihm nachsetzend und sich vornahm, dass er nicht entkommen sollte.

Übersetzt von Dr. Hans Jochen Genthe 2013

[01] V: Dt 32,39; I.Sam 2,6
[02] V: I.Kor 10,21
[03] V: Apgesch 15,20. 29; 21,25; Lev 14,8
[04] V: Matth 7,12
[05] V: Apgesch 14,15
[06] V: Eph 1,4; I.Petr 1,20
[07] V: Matth 7,13 – 14; Did. 1,1; Barn. 18,1; Herm.mand6,2
[08] T: Hier ist eine Lücke im Text beider Handschriften, die zwar beide an dieser Stelle je ein anderes Wort lesen, was aber keinen Sinn ergibt
[09] V: Jes 55,8
[10] V: Marc 1,3; Apgesch 2,38
[11] V: Joh 3,5
[12] V: I.Kor 10,21
[13] V: Lev 14,10 – 13; Apgesch 15,20. 29; 21,25
[14] E: Nämlich Gott