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Sechzehnte Unterredung



1. Kapitel

(1)Als Petros am Morgen herauskam und sich an den gewohnten Platz stellte, um zu reden, sah er eine große zusammen gekommene Volksmenge. Und gerade als er reden wollte, kam einer seiner Diakone herbei und sagte(2) „Simon ist aus Antiocheia gekommen, der an diesem Abend erfahren hat, dass du es unternehmen wirst, eine Rede über die Alleinherrschaft[01] zu halten und ist bereit, mit dem Epikureer Athenodoros zu einem Gespräch mit dir zu kommen, um öffentlich allen Reden zu widersprechen, die von dir wie auch immer über die Alleinherrschaft gesagt wurden. (3) Als der Diakon das sagte, sieh, da kam Simon selbst mit Athenodoros und einigen anderen Gefährten herzu, und ehe Petros redete, ergriff er selbst das Wort:

2. Kapitel

(1)„Gestern habe ich erfahren, dass du heute unternommen hast dem Faustos zu zeigen, indem du in der Ordnung eine Rede gehalten hast und anfangend vom Gebieter des Alls selbst, dass er allein Gott genannt werden muss, andere aber weder (so) zu nennen noch (dafür) zu halten sind, denn wer dagegen handelt, habe eine Strafe in Ewigkeit. (2) Vor allem aber bin ich über deine Tollkühnheit erschrocken, dass du gehofft hast, einen weisen Mann zu überzeugen, und dies einen Alten. (3) Aber du wirst deinen Vorsatz nicht erreichen, umso mehr, als ich da bin und deine verlogenen Worte widerlege; (4) Ebenso wird der weise Greis betrogen, wenn ich nicht da bin, da er unwissend ist hinsichtlich der den Juden öffentlich anvertrauten Bücher. Und jetzt werde ich die vielen Worte überbieten, so dass ich schneller die Widerlegung deiner Versprechungen zustande bringe (5) Deswegen unternimm es, bei uns, die wir die Schriften kennen, anzufangen, was du sagst. Wenn du aber die Widerlegung bei uns selbst scheust, willst du die Verheißung aufgeben, bist du allein, und so ist der Beweis, dass du lügst, insofern du nicht wagst, bei uns Kennern der Schriften zu reden. (6) Und jetzt, während ich darauf warte, dass du redest, habe ich nicht als größten Zeugen deiner Versprechung den anwesenden Greis?” Und nachdem er das gesagt hatte, blickte er den Vater an und sprach: (7) „Sage mir, ehrwürdigster aller Männer, ist dies nicht der Mann, der es unternommen hat, dir heute zu zeigen, dass ein Gott ist und es nicht erlaubt ist, einen andern Gott zu nennen oder (dafür) zu halten, wer aber dagegen verstößt, sündigt auf das Höchste und wird ewig bestraft? Oder antwortest du mir nicht?”

3. Kapitel

(1)Und der Vater sagte: „Schön, dass du ein Zeugnis von mir forderst, Simon, wenn Petros auch früher verleugnet hatte; jetzt besprechen willst scheue ich mich nicht, zu sagen, was gesagt werden muss. (2) Ich weiß, dass du im Zorn das Beschlossene, was dir unpassend zu tun und uns dergleichen zu hören ist, denn ein Streit ist zu ergründen und nützt nichts für die Wahrheit.(3) Und jetzt erinnere ich wissend an die griechische Bildung, dass Suchende handeln. Jeder von euch soll seinen Grundsatz erläutern, und an den anderen sollen die Worte ergehen. (4) Wenn Petros allein seinen Gedanken darstellt, schweigst du von dem deinen , es ist möglich, dass ein von dir geredetes Wort den Unterlegenen nicht einleuchtet, sondern dass der Gedanke das Erklärte, aber auch das nicht Erklärte ebenso dem Unterlegenen nicht offenbar ist, er aber auch für besiegt gehalten wird.” (5) Und Simon erwiderte: „Ich werde tun, wie du sagst, bin aber besorgt, dass du durch seine Worte voreingenommen, kein wahrheitsfreundlicher Richter bist.”

4. Kapitel

(1)Und der Vater entgegnete: „Zwinge mich nicht, ungeprüft über dich zu urteilen, damit ich ein wahrheitsfreundlicher Richter zu sein scheine; wenn du aber willst, dass ich das Wahre höre, dann bin ich deinem Gedanken zuvor gekommen.” (2) Und Simon: „Wieso zuvorgekommen, da du doch nicht weißt, was ich denke? Und der Vater: „Dies ist leicht zu merken; und höre wie! Unternimm es, Petros zu überführen, dass er lügt, wenn er sagt, dass es einen Gott gibt, wer aber damit angibt, dass er der Lüge überführt wird, der sagt, dass einer ist, dann ist gänzlich klar, dass derjenige die Wahrheit sagt, der das nicht sagt. (3) Wenn er nämlich dem Lügner dasselbe sagt, dann lügt auch er. Wenn er aber das Gegenteil redend beweist, dann sagt er die Wahrheit. Nicht anders also, wenn du den einen Lügner nennst, der sagt, dass es einen Gott gibt, wenn du nicht meinst, dass es viele Götter gibt. (4) Dass viele Götter sind, sage auch ich. Dasselbe also habe ich vor der Untersuchung gesagt, erst recht und zuvor mit dir besprochen. Und deswegen brauchst du dich meinetwegen nicht zu ereifern, sondern Petros ,denn ich denke, das der Höhepunkt für ihn das Gegenteil ist, den ich nach der Untersuchung als wahrheitsfreundlichen Richter erhoffe, wobei ich die Vermutung ablege und durch das beherrschende Wort beurteilt werde..” (5) Nachdem der Vater dies gesagt hatte, erhob sich ein Lärm des Lobes aus der Menge darüber, dass der Vater so geredet hatte.

5. Kapitel

(1)Und ebenso sagte Petros: „ Ich bin bereit zu handeln, wie es der Mittler des Wortes gesagt hat, und gleich erzähle ich ohne Verzug meinen Gedanken über Gott. (2) und ich sage, dass es einen Gott gibt, der den Himmel und die Erde und alles, was darin ist, geschaffen hat[02]. Es ist nicht erlaubt, einen andern zu nennen oder zu meinen.” (3) Und Simon: „ Ich aber sage, dass die bei den Juden geglaubten Schriften viele Götter nennen, und daraufhin ist es nicht schwierig, dass Gott durch seine Schriften viele Götter genannt hat.

6. Kapitel

(1)Jedenfalls erscheint es sogleich beim ersten Ausspruch des Gesetzes, und er sagt, dass sie ihm gleich seien. (2) So ist nämlich geschrieben, dass der erste Mensch ein Gebot von Gott hatte, von allen Bäumen des Gartens zu essen, aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen nicht zu essen,[03] und nachdem die Schlange durch Vermittlung der Frau mit dem Versprechen überzeugt hatte, dass sie Götter werden würden und sehen würden, wenn sie essen, tat sie es, und so sah sie Gott an und sprach: Sieh, Adam ist geworden wie einer von uns. ´ [04](3) Da die Schlange gesagt hatte: `Ihr werdet wie Götter sein.´ [05], hat sie gesagt, dass es Götter gibt, und es scheint, dass er mehrere gibt, und Gott hat es bezeugt, als er sprach: `Sieh, Adam ist geworden wie einer von uns.´ [06]So hat nämlich die Schlange, als sie sagte, dass es Götter gebe, nicht gelogen. (4) Wiederum das geschrieben: `Du sollst die Götter nicht verachten und von den Obersten deiner Volkes nicht schlecht reden ´ [07]bezeichnet viele Götter, die er nicht verachtet lassen will. (5) Aber auch irgendwo anders ist geschrieben: `Wenn sich ein anderer Gott erdreisten sollte, herein zu kommen, dann werde ich mir ein Volk mitten aus den Völkern nehmen, wie ich Gott der Herr bin[08] Durch die Rede `wenn sich ein anderer Gott erdreistet´ hat er gesagt, dass es andere gibt. (6) Und woanders: `Götter, welche den Himmel und die Erde nicht gemacht haben, werden vernichtet´, als die, welche das Kommende nicht gemacht haben, vernichtet werden. (7) Und woanders sagt er: `Hüte dich, dass du nicht gehst und andere Götter verehrst, von denen deine Väter nichts gewusst haben! ´[09]so dass es andere Götter gibt, von denen er sagt, dass sie ihnen nicht folgen sollen. (8) Und wiederum: `Die Namen anderer Götter sollen nicht auf deine Lippen kommen! ´[10] Und hier spricht er von vielen Göttern, deren Namen er nicht genannt haben will. (9) Und wiederum ist geschrieben: `Der Herr, dein Gott, der ist der Gott der Götter. ´ [11] (10) Und wiederum: ` Wer ist dir, Herr, gleich unter den Göttern.´ [12](11) Und wiederum: `Gott, der Herr der Götter.[13]Und wiederum: `Gott steht in der Versammlung der Götter, in der Mitte richtet er die Götter.[14] (12) Daher wundere ich mich, wie bei so vielen Aussagen, die geschrieben sind, welche bezeugen, dass viele Götter sind, wie du übergehst, dass man sie weder nennen noch meinen darf. Im Übrigen hinsichtlich des weise Gesagten, sage es vor allen, wenn du etwas zu sagen hast!”

7. Kapitel

(1)Und Petros sprach: „Höre kurz auf das, was gesagt ist! Das Gesetz selbst, dass selbst oft von Göttern spricht, sagt selbst zur judäischen Menge: ` Sieh, deinem Gott ist der Himmel des Himmels und alles, was darin ist´, [15] zusammenfassend, dass, wenn es auch Götter gibt, so sind sie unter ihm, das ist unter dem Gott der Judäer. (2) Und wiederum: `Denn der Herr, dein Gott, er ist der Gott im Himmel oben und auf Erden unten, und es gibt keinen andern außer ihm. ´ [16] (3) Und irgendwo sagt eine andere Schriftstelle der judäischen Menge: „ Der Herr, dein Gott, ist der Gott der Götter[17], dass, wenn es auch Götter gibt, sind sie unter dem Gott der Judäer. (4) Und irgendwo anders sagt die Schrift von ihm: Der große und wahre Gott, der die Person nicht ansieht und kein Geschenk annimmt, hält Gericht für die Waisen und Witwen[18]. (5) Wenn die Schrift der Judäer Gott als `groß´ und `wahr´ und `Gericht haltend´ nennt, dann bezeichnet sie die anderen als klein und unwahr. (6) Aber auch irgendwo anders sagt die Schrift: `Ich lebe, spricht der Herr, und es gibt keinen andern außer mir. Ich bin der Erste, ich bin danach, außer mir gibt es keinen Gott[19] (7) Und wiederum: `Den Herrn deinen Gott sollst du fürchten und ihm allein dienen.[20](8) Und wiederum: `Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist ein Herr.[21]´ (9) Und ebenso bekräftigen viele Aussagen eidlich, dass Gott einer ist und es außer ihm keinen Gott gibt. Daher wundere ich mich, wie du angesichts solcher bezeugenden Aussagen dass ein Gott ist, sagst, dass es viele gebe.”

8. Kapitel

(1)Und Simon: „Der Anfang meiner Rede gegen dich war, dich aus den Schriften zu überführen, dass du lügenhafterweise sagst, dass man nicht behaupten darf, es seien viele Götter. Deshalb habe ich viele geschriebene Aussagen gezeigt, dass die göttlichen von vielen Göttern sprechen.” (2) Und Petros: „ Die Schriften selbst nennen viele Götter, sie selbst mahnen uns, wenn sie sagen: `Die Namen anderer Götter sollen nicht auf deine Lippen kommen.[22] So habe ich nicht gegen die Schrift geredet, o Simon” (3) Und Simon: „ Höre darauf, und du, o Petros, scheinst mir zu sündigen, denn du redest gegen sie, während die Schrift sagt: `Du sollst nicht schmähen, und über die Obersten deines Volkes sollst du nicht schlecht reden[23]´” (4) Und Petros: „Ich sündige nicht, Simon, , den Schriften folgend zeige ich ihren Untergang an; so steht nämlich geschrieben: `Götter, die den Himmel und die Erde nicht gemacht haben, werden zugrunde gehen.[24]´. Und dies sagt er nicht als einige gemacht haben und zugrunde gehen, wie du es deutest, offenbar ist nämlich, dass einer ist, der es gemacht hat, von dem von Anfang an geschrieben ist:` Am Anfang machte Gott den Himmel und die Erde´,[25] und er sagte nicht: `die Götter´, und anderswo sagt er: `Die Feste verkündet das Werk seiner Hände.[26]´. Und an einer anderen Stelle ist geschrieben: `Die Himmel selbst werden vergehen, du aber bleibst in Ewigkeit.[27]´.”

9. Kapitel

(1)Und Simon sagte: „Um zu meinen Gunsten zu zeigen, dass viele Götter sind, habe ich einleuchtende Abschnitte der Schriften vorgestellt, du aber hast diese oder auch die meisten Abschnitte aus den Stellen bestritten und gezeigt, dass ein Gott ist, und zwar derjenige der Judäer.(3) Und während für mich spricht: `Du sollst Götter nicht schmähen´, hast du angeführt, um zu zeigen, dass einer der Schöpfer ist, dass diejenigen, welche nicht geschaffen haben, zugrunde gehen. (3) Für mich aber sprich, dass man von Göttern reden muss, wie auch die Schriften reden, und du hast dagegen angeführt, dass man ihre Namen nicht aussprechen darf, das dieselbe Schrift gesagt hat, die Namen der anderen Götter nicht auszusprechen, da also die selben Schriften sagen, dass Götter seien und woanders, dass nur einer sei – und dass sie mal zwar nicht zu schmähen sind, mal aber geschmäht werden – was muss dazu gedacht werden oder dass uns die Schriften selbst in die Irre führen?

10. Kapitel

(1)Und Petros sprach: „ Sie führen nicht in die Irre, sondern sie überführen und bringen diejenige ins Offene, die sich in jedem gegen Gott versteckt hat gleichwie den bösen Vorsatz der Schlange. (2) Denn in vielen verschiedenen Abdrücken[28] liegen sie als Einwohner vor. (3) Folglich hat jeder seinen eigenen, dem Wachs einwohnenden Vorsatz, wenn er umherblickt findet er ihn und alles darin, je nach dem, wird Gott, wie er es will, den (wie ich sagte) im Wachs wohnenden, aufgetragenen Vorsatz abwischen (4) Da also einer über Gott nachdenken will, wird er darin fündig, weswegen er die Vorstellungen von vielen Göttern davon abwischt, und wir haben die Vorstellung des Wahrhaftigen abgewischt und erkennen aus unserer Gestalt den wahren Abdruck. (5) Aber die uns innewohnende Seele trägt sein Bild zur Unsterblichkeit umher. (6) Wenn ich ihren Erzeuger verlasse, verlässt auch sie mich im gerechten Gericht, und wie auch sie mich gerechter Weise verlässt, und so auch die Seele nach der Strafe, wenn ich von ihrer Hilfe verlassen worden bin, werde ich verderben. (7) Wenn es aber einen andern gibt, dann ziehe zuerst eine andere Erscheinung, eine andere Gestalt an, damit du durch eine neue Gestalt des Leibes den neuen Gott erkennst. (8) Wenn er aber die Gestalt wechselt, dann nicht auch das Sein[29] der Seele. Wenn sie auch wechselt, dann bin ich nicht mehr ich, sondern ein anderer geworden hinsichtlich der Gestalt und des Seins. (9) er soll also einen andern gestalten, wenn es ein anderer ist. Aber es gibt ihn nicht. Wenn er aber war, hat er ihn gestaltet. Da er also nicht gestaltet hat, soll er als Nichtseiender das Seiende dem Seienden überlassen. (10) Es ist nämlich nichts als die Meinung Simons. Ich aber nehme keinen andern Gott an außer dem, der mich geschaffen hat.”

11. Kapitel

(1)Und Simon: „Wenn ich dich eine klügere Rede über Gott, der sich geschaffen hat, halten sehe, lerne von mir, wie du auch ihm gegenüber gottlos bist.(2) Es erscheinen die zwei, welche gestaltet haben, wie die Schrift sagt: Und Gott sprach: Wir wollen Menschen machen nach unserm Bilde und unserer Gleichheit.´[30] Das `Wir wollen machen´ bezeichnet zwei oder mehr, nicht nur einen.”

12. Kapitel

(1)Und Petros erwiderte: „Es ist einer, der zu seiner Weisheit sagt: ` Wir wollen einen Menschen machen´. Aber die Weisheit, mit der er sich immer wie mit dem eigenen Geiste freute[31], sie war wie die Seele mit Gott vereint, wurde von ihm wie eine Hand ausgestreckt, als sie das All schuf. Deshalb wurde auch ein Mensch, aus dem aber auch das Weibliche hervorging. (2) Und obwohl er ein Einziger ist, ist es für das Werden eine Zweiheit. Wegen der Umwandlung nämlich und der Einschränkung wird die Einheit eine Zweiheit genannt. So dass ich mit dem einen Gott wie mit den Eltern umgehe und alle Ehre erweise.” Und Simon: „Was denn? Wenn auch die Schriften verschiedene Götter nennen, nimmst du es nicht an?”

13. Kapitel

(1)Und Petros erwiderte: „ Weder die Schriften noch die Gottessprecher reden von Göttern, sie reden zur Prüfung der Zuhörer. (2) So ist nämlich geschrieben:` Wenn bei dir ein Gottessprecher aufsteht, der dir Zeichen und Wunder verrichtet, und es geschieht jenes Zeichen und Wunder, und er sagt zu dir: Wir wollen gehen und anderen Göttern dienen, die deine Väter nicht gekannt haben, so sollt ihr auf jenen Gottessprecher nicht hören; zuerst sollen sich eure Hände aufrichten, um ihn zu steinigen[32]; er hat nämlich versucht, dich abzuwenden von dem Herrn, deinem Gott. (3) Wenn du aber in deinem Herzen sagst: Wie hat er jenes Zeichen oder das Wunder vollbracht, so sollst du wahrhaftig wissen, dass der Versucher versucht hat zu sehen, ob du den Herrn, deinen Gott, fürchtest. (4) Denn der Versucher hat versucht, sagte er, anders aber erscheint er nach der Verschleppung nach Babylon. Denn nicht der das All erkennende Gott (wie an vielem Stellen zu zeigen ist), versucht, damit er, der alles vorher weiß, stellt auf die Probe. (5) Wenn er aber will, dann zeige ich auch den voraus wissenden Gott, weswegen wir die Rede gehalten haben. Aber die Lüge, ihn nicht zu kennen, den auch dieses zur Prüfung Geschriebene beweist. (6) So können wir, o Simon, weder aus den Schriften noch durch irgend etwas anderes Anstoss nehmen, werden auch nicht betrogen durch die Annahme vieler Götter, werden auch nicht durch irgend eine gegen Gott geredete Rede angestiftet.

14,Kapitel

(1)Ebenso auch nämlich, wenn in den Schriften die Engel Götter genannt werden[33], ich meine aber, wie er aus dem Dornstrauch gesprochen[34] und mit Jakob gerungen hat[35], aber auch den geborenen Emmanuel[36] und den, der starker Gott genannt wird. (2) Aber fürwahr auch Moyses wurde für Pharao ein Gott[37], dem er in Wirklichkeit ein Mensch war. Auch noch zu den Götzenbildern der Völker. (3) Wir aber haben einen Gott, der die Schöpfungen gemacht und das All geordnet hat, dessen Sohn der Gesalbte ist, dem wir gehorchen, und aus den Schriften erkennen wir die Lügen. (4) Aber auch noch von den Vätern der Schriften versorgt, wissen wir als die Wahrheit allein den einen, der die Himmel und die Erde gemacht hat, den Gott der Judäer und aller, die sich entschlossen haben, ihn zu verehren. (5) Dies haben mit gottfreundlichem Denken die Väter wahrhaftig erklärt und uns überliefert, damit wir wissen, dass, wenn etwas gegen Gott gesagt wird, es eine Lüge ist. (6) Aber ich sage etwas darüber hinaus: Wenn das, was ich gesagt habe, sich nicht so verhält, dann geschehe mir und denen, welche die Wahrheit lieben, dass wir wegen des guten Rufes des Gottes, der uns gemacht hat, dass wir in Gefahr geraten.”

15. Kapitel

(1)Als Simon das gehört hatte, sagte er: „ Da auch einem Gottessprecher Zeichen und Wunder gegeben sind, hast du gesagt, dass man einem, der von einem andern Gott spricht, nicht glauben,[38] wobei man weiß, dass er auch des Todes schuldig ist, dann wurde doch dein Lehrer, dem Zeichen und Wunder gegeben waren, vernünftigerweise getötet.” (2) Und Petros entgegnete: „ Unser Herr hat weder behauptet, dass es Götter neben dem gebe, der das All geschaffen hat, noch hat er sich selbst zum Gott ernannt, er hat aber den glückselig gepriesen, der ihn vernünftigerweise Sohn des Gottes nennt, der das All geordnet hat.”[39] (3) Und Simon antwortete: „Du meinst alsonicht, dass er ein Gott von Gott sei?” Und Petros sprach: „ Sage uns, wie das möglich sein kann! Das können wir dir nämlich nicht sagen, denn wir haben es von ihm nicht gehört.

16. Kapitel

(1)Außerdem gilt aber vom Vater, dass er nicht geboren ist, vom Sohn aber, dass er geboren ist. Geborenes aber wird mit dem Ungeborenen oder Selbstgeborenen nicht verglichen.” (2) Und Simon sagte: „Ob es auch mit der Geburt nicht dasselbe ist?” Und Petros sprach: „Wer nicht gänzlich dasselbe ist, für den ist es unmöglich, dieselben Beinamen zu haben.” (3) Und Simon: „ Dies zu sagen ist nicht zu beweisen.” Und Petros: „Warum weißt du nicht, dass es zwar das Selbstgeborene gibt oder auch das Ungeborene, aber das Geborene, das ebenso genannte wird, unmöglich ist, auch nicht, dass das Geborene desselben Wesens ist wie das Gebärende…[40]aber auch dies lerne! (4) Die Leiber der Menschen haben unsterbliche Seelen, den hauch Gottes bekleidend. Und da sie von Gott ausgegangen sind, sind sie seines Wesens, sind aber keine Götter. (5) Wenn sie aber Götter sind, dann sind durch dieses Wort die Seelen aller Menschen (die der Verstorbenen und der Lebenden und derer, die noch geboren werden) Götter. Wenn du aber wetteifernd mit mir reden willst und sie Götter sind und was gro0ß ist, dass der Gesalbte Gott genannt wird? Er hat nämlich alles, was auch alle haben.

17. Kapitel

(1)Wir sagen „Gott”, dessen besonderes keinem andern beigegeben sein kann. Wie nämlich ein nach allen Seiten Unendlicher deswegen Grenzenloser genannt wird und notwendigerweise alles andere nicht ebenso unendlich sein kann, nicht eingetaucht ist, was unbegrenzt genannt wird (wenn es aber einer sagt, ist es unmöglich, ist gelogen; zwei nach allen Seiten Unendliche können nämlich nicht zusammen sein; das eine würde nämlich von einem andern hinübergesetzt), so ist die Natur ein Ungeborenes. Wenn es aber in einer Gestalt ist, so ist eins auch nicht vergleichbar[41] . Und deshalb wird es auch „Höchster” genannt, denn er ist höher als alles und das All ist ihm unterlegen.”

18. Kapitel

(1)Und Simon: „Ist dies nicht sein unaussprechlicher Name, nämlich „Gott”, den alle nennen, denn dies behauptest du auch fest hinsichtlich des Namens, so dass er keinem andern gegeben wird?” (2) Und Petros sprach: „ Ich meine, dass dies nicht ein unaussprechlicher Name für ihn ist, sondern nach einer Übereinkunft der Menschen gesagt wird, wenn du (ihn) einem andern gibst, du auch das nicht Genannte einem andern gewährst, durch ein vorher festgelegtes Wort. (3) Der genannte Name ist ein Vorgriff des Unbenannten. (3) Diesem Wort wird die Frechheit und das noch nie Gesagte zugeschrieben, einem Wort, dem die Ehrerbietung vor etwas Bekannten auf das noch nicht Bekannte überträgt.”

19. Kapitel

(1)Und Simon sagte: „Ich wollte wissen, o Petros, ob du wahrhaft glaubst, dass die Gestalt eines Menschen zur Gestalt von jenem geformt wurde.” (2) Und Petros: „Wahrhaftig, o Simon, so bin ich fest überzeugt.” Und Simon: „Wie kann der Tod einen leib auflösen, der mit dem höchsten Siegel ausgestattet ist?” (3) Und Petros: „ Es ist die Gestalt des gerechten Gottes. Wenn er dann aber anfängt Unrecht zu tun, so flieht das Wesen (des gerechten Gottes), in ihm, und so wird der Leib aufgelöst, damit die Gestalt unsichtbar wird, so dass der ungerechte Leib nicht die Gestalt des gerechten Gottes ist. (4) Die Auflösung geschieht fürwahr nicht hinsichtlich des Siegels, sondern hinsichtlich des versiegelten Leibes. Aber ohne einen Versiegelnden wird das Versiegelte nicht aufgelöst. So ist auch kein Sterben ohne das Gericht erlaubt.” (5) Und Simon: „Welche Notwendigkeit bestand denn, seine Gestalt dem aus der Erde Erweckten zu geben? Da nämlich dem Wort auf Grund seines Wesens alles besser gelingt als dem Fleisch des Menschen, ich meine aber den Äther, die Sonne, den Mond, die Sterne, die Luft, das Wasser, das ,Feuer, mit einem Wort auch all das Übrige, was zum Dienst des Menschen geworden ist, und das seinem Wesen nach Bessere bleibt angenehm, um dem seinem Wesen nach Schlechteren durch die bessere Gestalt zu dienen (7) ( wie nämlich diejenigen, welche das tönerne Standbild eines Königs verehren, die Ehre auf ihn beziehen, von dem der Ton die Gestalt hat, so dient auch die ganze Schöpfung dem aus Erde gewordenen Menschen mit Freuden, wobei sie die Ehre auf ihn bezogen hat).

20. Kapitel

(1)Sieh, Simon, was für einem Gott willst du, dass wir (ihm) undankbar gehorchen; und die Erde trägt dich, ebenso aber würde einer wagen, dasselbe zu denken, was er zu sehen verlangt. (2) Er hat nämlich als Erster gewagt, was keiner gewagt hat; als Erster habe ich ausgesprochen, was wir zuerst gehört haben. Als Erste und Einzige haben wir gegen deine Gottlosigkeit die unendliche Langmut Gottes angeführt, und zwar keines andern als des Schöpfers der Welt, gegen den du gewagt hast, gottlos zu sein. (3) Und es entstand kein Erdschlund[42], und es wurde kein Feuer vom Himmel herabgesandt[43]und es kam nicht zur Verbrennung von Männern, und es wurde kein Regen ausgeschüttet[44], und keine Menge von Tieren wurde aus dem Wald gerieben[45], und über uns selbst begann nicht der verderbliche Zorn Gottes wegen eines Sünders wie über einen geistlichen Ehebruch, der auf Grund des Fleisches schlimmer ist. (4) Ist es denn nicht Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der die Sünden gerächt hat? Zumal er auch jetzt diejenigen, welche am meisten lästern, am meisten rächt. Aber er ist im Gegenteil langmütig, ruft zum Umdenken, vollendete Geschosse, die er zur Erledigung der Gottlosen unter den Schätzen aufbewahrt hat und die er wie wilde Tiere loslässt, wenn er sich niederlässt, um Gericht zu halten über seine Feinde. Deshalb fürchten wir den gerechten Gott, dessen Leib zur Verehrung die Gestalt eines Menschen trägt.”

21. Kapitel

(1)Nachdem Petros das gesagt hatte, antwortete Simon:: „ Da ich sehe, dass du weise in Rätseln sprichst, denn das gegen den Schöpfer in den Büchern Geschriebene ist nicht wahr, werde ich dir morgen aus den Worten deines Lehrers zeigen, dass der `Gott ´genannt wird, nicht der Schöpfer des Alls ist.” Und nachdem Simon das gesagt hatte, ging er weg. (2) Petros aber sprach zu der dabei stehenden Menge: „O Simon, Auch wenn nichts anderes möglich ist, dass wir hinsichtlich Gottes verletzt werden, aber er hindert uns, die Worte zu hören, welche die Seele reinigen können.” (3) Als Petros das gesagt hatte, gab es viel Flüstern der Menge, die sagte: „Was nötigt uns, ihn hier hereinkommen zu lassen, um Lästerungen gegen Gott auszusprechen?” Als Petros das hörte, sprach er: „ Es geschehe, bis genügend Reden Simons gegen Gott zur Prüfung der Menschen gehalten wurden. (3) `Es werden nämlich,´ wie der Herr gesagt hat[46], `falsche Gesandt, lügnerische Gottessprecher, Sekten, Herrschsüchtige, die, wie ich vermute, von dem Gott Lästernden Simon den Anfang genommen haben, und mit Simon zusammenwirken, um dasselbe gegen Gott zu sagen.” Und nachdem er das unter Tränen gesagt hatte, rief er mit der Hand die Menge zu sich, legte den Herankommenden die Hand auf und betete und entließ (sie) mit den Worten, dass sie morgen zusammen kommen sollten. Nachdem er dies gesagt hatte und seufzend hineinging, ohne Nahrung zu sich zu nehmen, legte er sich schlafen.

Übersetzt von Dr. Hans Jochen Genthe 2013

[01] E: μοναρχια (spr. monarchía), nämlich die Alleinherrschaft des einen Gottes
[02] V: Gen 14,9
[03] V: Gen2,16 – 17
[04] V: Gen 3,22
[05] V: Gen 3,5
[06] V: Gen 3,22
[07] V: Ex 22,27
[08] V: Dt 4,34
[09] V: Dt 13,6
[10] V: Jos 23,7
[11] V: Dt 10,17
[12] V: Ps 86 (LXX 85),8
[13] V: Ps 35 (LXX 34),10; 50, (LXX 49),1
[14] V: Ps 82 (LXX 81) ,1
[15] V: Dt 10,14
[16] V: Dt 4,39
[17] V: Dt 10,17
[18] V: Dt 10,17 -18
[19] V: Jes 49,18; 345,21; 44,6; Dt 32,40; 4,39; 6,13
[20] V: Dt 6,13
[21] V: Dt 6,4
[22] V: Jos 23,7
[23] V: Ex 22,28
[24] V: Jer 10,11
[25] V: Gen1,1
[26] V: Ps 19(LXX 18),2
[27] V: Ps 102(LXX 101),27
[28] Ü: Hier steht das Wort τυποσ (spr. t´ypos), was eigentlich den Abdruck eines Siegels im Wachs bedeutet und verschiedene Arten meint
[29] Ü: Das hier stehende Wort ουσια (spr. ousía) kann mit „Wesen“ und mit „Sein“ wiedergegeben werden
[30] V: Gen 1,26
[31] V: Spr 8,30
[32] V: Dt13,1 – 3.9 – 10
[33] V: I.Kor 8,5 – 6
[34] V: Ex 3,2
[35] V: Gen 32,24
[36] V: Jes 7,14; 9,7
[37] V: Ex 4,16; 7,1
[38] V: Dt 13,1 – 2. 5
[39] V: Matth 16, 16 – 17
[40] T: Lücke in den Handschriften
[41] Ü: Oder: nicht zu vereinigen
[42] V: Nun 16,30
[43] V: Gen 19,24
[44] V: Gen 7,4. 10
[45] V: Jes 56,9 vgl. Dt 32,24
[46] V: Matth 24,11. 24; I.Kor 11,18