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Erste Unterredung



Des Clemens Auszug aus den verbreiteten Unterredungen des Petros

1. Kapitel

(1)Ich, Clemens, römischer Bürger, habe auch im frühen Alter besonnen leben können, da meine Vernunft von Kindheit an die Begierde in mir abgewehrt hat, was zu Trübsal und Leid führte. (2) In mir war nämlich der Gedanke (ich weiß nicht wo es den Anfang nahm) an den Tod, wobei ich mir oft Gedanken machte, dass ich als Verstorbener nicht mehr sein werde und sich dann auch nicht einer an mich erinnern wird, (3) weil die unendliche Zeit alles von allem zum Vergessen führt – ich werde sein, ohne zu existieren, ohne die Existierenden zu kennen, ohne zu wissen, ohne gewusst zu werden, nicht werdend, nicht geworden – (4) und als die Welt entstanden ist und vor dem Entstehen, was da war (ob sie nämlich immer war; ob sie aber geworden ist und aufgelöst werden wird)(5) und was nach der Auflösung wieder sein wird, außer vielleicht Schweigen und Vergessen? Oder vielleicht wird auch etwas sein, was jetzt zu erkennen nichtmöglich ist.

2. Kapitel

(1)Da ich nicht wusste, woher ich an dieses und ihm Ähnliches pausenlos nachdachte, klagte ich trauernd darüber, sodass ich mich blass werdend erschöpfte; und was das Furchtbarste war: wenn ich einmal den Gedanken als nutzlos fortstoßen wollte, wurde das Leiden für mich viel schlimmer.(2) Und damit war ich beschwert, nicht wissend, dass in mir eine gute Überlegung wohnte, dass der gute Ursprung der Unsterblichkeit zuteil geworden war, wie ich danach aus Erfahrung erkannte und Gott, dem Gebieter dankte. Von der mich von Anfang an bedrängenden Vernunft wurde ich nämlich zum Erforschen und Finden der Sachverhalte gezwungen; (4) Und dann bedauerte ich diejenigen, die ich zu Anfang aus Unwissenheit glücklich zu preisen wagte.

3. Kapitel

(1)Da ich vom Kindesalter an mit solchen Gedanken beschäftigt war, besuchte ich die Erörterungen der Philosophen, um zu lernen, was sicher ist. Und ich sah nichts anderes als Beweisführungen und Widerlegungen von Lehrsätzen und Streitereien und Eifersüchteleien und Verfahren von Urteilsbildungen und das Erdenken von Annahmen.[01] (2) Und zuweilen überzeugte es (mich) beispielsweise, dass die Seele unsterblich sei, zuweilen, dass sie sterblich sei. Wenn dann also die Rede überzeugte, dass sie unsterblich sei, freute ich mich; dann aber, dass sie sterblich sei, wurde ich traurig. (3) Mehr aber entmutigte mich, dass keins von beiden meinen Verstand festigen konnte. Übrigens dachte ich mir, dass die von den Verteidigern aufgestellten Ansichten über die Grundsätze Falsches oder Wahres aufgriffen und nicht den Eindruck erweckten, dass sie Wahrheit hätten. (4) Nachdem ich also schon damals festgestellt hatte, dass von denen, welche Grundsätze verteidigten, nicht ein Erfassen (des Wirklichen) ausging, sondern die Meinungen nachdem, welchen Eindruck die Verteidiger machten, wurde mir bei den Angelegenheiten schwindlig. Deshalb seufzte ich aus der Tiefe der Seele; es wurde nämlich weder etwas befestigt, wie ich wollte, noch[02] konnte ich das Nachdenken darüber abschütteln, auch wenn ich wollte, wie ich früher gesagt hatte: (5) „Ich befahl mir, häufiger zu ruhen, wusste doch nicht, das Denken daran heimlich mit Freuden zu mir hereingekommen war.”

4. Kapitel

(1)Und wiederum in Verlegenheit sagt ich mir: „Was arbeitest du vergeblich? Sei weise in der Angelegenheit, denn wenn ich tot bin, bin ich nicht, da ich jetzt bin, passt es nicht zu trauern; (2) Deshalb bewahre ich das Trauern für die Zeit, in der ich nicht mehr trauern kann, weil ich nicht mehr bin. Wenn ich aber also etwas bin, ist jetzt bei mir das Trauern überflüssig.” Und sogleich danach kam mir ein Gedanke: Ich sagte nämlich: (3) „Wenn ich jetzt ganz und gar nicht trauere, habe ich dort mehr zu leiden, wenn ich nicht fromm gelebt habe, dann werde ich nach den Worten einiger Philosophen dem Pytriphlegeton und dem Tartaros ausgeliefert werden wie Sisyphos oder Tityos oder Ixion oder Tantalos und werde in der Unterwelt ewig gestraft werden.” Und ich sagte wiederum: „Aber dies gibt es nicht.” Und wiederum sagte ich: „Wenn es es aber gibt?” (4) „Also ist die Sache verborgen”, sagte ich, „es ist viel ungefährlicher, wenn ich fromm lebe.” (5) Und wiederum: „Wie kann ich um des Gerechten willen in einer verborgenen Hoffnung unfruchtbar sein, die Freuden des Leibes beherrschen? (6) Aber ich habe auch nichts erfüllt, was einst gerecht und Gott wohlgefällig, wenn die Seele unsterblich ist oder ich erkenne sie als sterblich, dann wird weder ein sicheres Wort gefunden, (7) noch kann ich bei diesen Gedanken Ruhe finden. Was also ist zu tun als dies?”

5. Kapitel

(1)Ich werde nach Ägypten gehen und ein Freund der Hierophanten und Propheten der heiligsten Orte werden, und wenn ich einen Magier gesucht habe, werde ich viel Geld finden und (ihn) überreden, dass er das Hinaufsenden der Seele, die so genannte Nekromantie, vollzieht, wobei ich wegen einer gewissen Sache nachforsche; (2) Aber die Kunde wird darin bestehen, zu lernen, ob die Seele unsterblich ist. (3) Die Antwort der Seele aber, dass sie unsterblich ist, wird für mich nicht aus dem Reden oder dem Hören zu erkennen sei, sondern allein aus dem Geschautwerden, so dass ich sie mit den Augen sehe und einen Bescheid aus dem bloßen Erscheinen habe, dass es sie gibt; (4) und das für die Augen Eigentümliche kann die verborgenen Reden des Gehörs nicht umkehren. (5) Ebenso habe ich diese Sicht einem vertrauten Philosophen vorgehalten, der mir auf vielerlei Weise geraten hat, es nicht zu wagen. (6) Sei es nämlich, sagt er, dass die Seele nicht auf den Magier hört, du den Gesetzen, (welche vorschreiben,) dies zu tun, entsagst, wie du, nachdem du zuwider gehandelt hast, mit schlechtem Gewissen leben wirst. (7) Wenn sie aber hört, lebst du mit schlechtem Gewissen, meine ich, und schreitest hinsichtlich deiner Frömmigkeit nicht mehr voran, um derentwillen du (es) gewagt hattest; (8)Man sagt nämlich, das Göttliche sei feindlich gegen die, welche die Seelen durch Auflösung von Leibern Verstorbener die Seelen quälen. (9) Als ich das gehört hatte, wurde ich bedenklicher, dies versucht zu haben, doch ich ließ von meiner ursprünglichen Absicht nicht ab, aber als er meinen Entschluss gehindert hatte, wurde ich mutlos.

6. Kapitel

(1)Und um es dir nicht mit einer langen Rede zu erzählen, als ich in derartigen Überlegungen und Sachen war, nahm während der Herrschaft des Caesar Tiberios[03] eine sanfte Nachricht auf frühlingshafte Weise den Anfang, breitete sich ständig aus, und zog wie wahrhaftig ein Engel Gottes, der den Willen Gottes nicht mit Schweigen verhüllen kann, durch die Welt,. (2) Jederzeit also wurde es mehr und mehr und besagte, wie jemand einst in Judäa zu Beginn des Frühlings, den Judäern die Herrschaft des ewigen Gottes verkündet habe, die derjenige von ihnen genieße, sagt er, der vorher einen rechtschaffenen Lebenswandel geführt hat; (3) Damit ihm aber geglaubt wird, das er dies von der Gottheit erfüllt aushaucht, vollbrachte er viele wunderbare Zeichen und Wunder allein auf einen Befehl, weil er von Gott Vollmacht erhalten hatte: (4) Taube macht er hörend, Blinde wieder sehend, Lahme richtet er auf, jeden Kranken heilt er, alle Dämonen vertreibt er. Und Aussätzige, die ihn nur von ferne gesehen hatten, gehen geheilt weg. Zu (ihm) getragene Tote weckt er auf, und nichts gibt es, was er nicht tun kann.[04] (5) Und je mehr die Zeit fortschritt, umso mehr wurde es durch viele Anwesende bekräftigt, ich spreche kein Gerücht aus, sondern die Wahrheit der Sache; (6) Schon damals waren nämlich auch Versammlungen an den Orten mit Beratung und Untersuchung, wer der Erschienene wohl sei und was er sagen wollte[05].

7. Kapitel

(1) Damals in demselben Jahr stand einer in menschenfreundlicher Weise öffentlich auf und rief mit den Worten: (2) „Römische Männer, hört! Der Sohn Gottes befindet sich in Judäa, verkündet allen, die das ewige Leben wollen, dass sie nach dem Willen des Vaters leben werden. (3) Ändert deshalb die Gesinnung vom Schlechteren zum Besseren, vom Gegenwärtigen zum Ewigen; (4) erkennt, dass ein Gott ist, der Überhimmlische, dessen Welt ihr in ungerechter Weise vor seinen gerechten Augen bewohnt. (5) Aber wenn ihr euch ändert und nach seinem Willen lebt, werdet ihr in eine andere Welt gelangen und als ewig Seiende seine unaussprechlichen Güter genießen; (6) Wenn ihr aber ungehorsam seid, werden eure Seelen nach der Auflösung des Leibes in den Ort des Feuers geworfen werden, wo die ewig Gepeinigten vergeblich andern Sinnes werden; denn der Zeitpunkt der Sinnesänderung ist das jetzige Leben eines jeden .” (7) Als ich also dies hörte, schmerzte es mich, das keiner aus diesen Massen eine derartige Botschaft gehört hatte und sprach: „Ich werde nach Judäa reisen, damit ich sehe, ob es wahr ist, was der sagt, dass sich Gottes Sohn in Judäa aufhält und der guten und ewigen Hoffnung wegen den Willen des entsendenden Vaters ans Licht bringt. (8) Und was sie sagen, das er verkünde, ist nichts Geringes; deren Seelen nämlich, die in ewige verwandelt würden, um ewige Güter zu genießen, deren aber, die unauslöschliches Feuer geworfen wurden, würden ewig gepeinigt werden.

8. Kapitel

(1) Dies sagte ich anderen und mir selbst sagte ich: „Wozu tadle ich andere, da ich mich in derselben Anklage der Sorglosigkeit befinde? Aber ich werde nach Judäa reisen, nachdem ich vorher mein Leben in Ordnung gebracht hätte. (2) und obwohl ich mich entschlossen hatte, ergab wegen der schwer zu lösenden Lebensverhältnisse eine Verzögerung. (3) Nachdem ich schließlich über die Natur dieses Lebens nachgedacht hatte, weil durch Hoffnung …[06] und weil[07] so wir ruhelosen Menschen sterben, hinterließ ich, wie es sich ergab, all das Meine und reiste nach Portus[08], und als ich zum Hafen kam und anlangte, gelangte ich wegen widriger Winde statt nach Judäa nach Alexandria. (4) Und durch die Schwierigkeit mit den Stürmen aufgehalten, ging ich wiederholt zu den Philosophen und ich redete über die Nachricht, die in Rom bekannt worden war. Sie aber antworteten: „ Das in Rom bekannt Gewordene kennen wir nicht, aber von dem, was in Judäa geschehen ist und von dem Gerücht über den, der Sohn Gottes genannt wird, haben wir von vielen, die von dort gekommen waren, gehört, und über alles, was er geredet und von Wunderbaren getan hat, sind wir unterrichtet.”

9. Kapitel

(1)Ich aber sagte: „ Ich will einen treffen, der ihn gesehen hat.” Sogleich erwiderten sie mit den Worten: „Es gibt hier einen, der nicht nur von ihm erzählt hat, sondern auch aus dem Lande ist, ein hebräischer Mann mit Namen Barnabas[09], der auch sagt, selbst einer von seinen Schülern zu sein und hier, wo er ansässig ist, die Worte der Verheißung von jenem denjenigen sagt, die gerne wollen. Und fürwahr, ich bin mit ihnen zusammengekommen. (2) Und ich kam und stand mit der anwesenden Menge und hörte die Worte, und sie verstanden die ohne dialektische Kunst ausgesprochene Wahrheit, sondern ohne Falsch und unvorbereitet vorgetragen, was der erschienene Sohn Gottes getan und gesagt hat[10]; (3) aber viele Zeugen der von ihm erwähnten Wunder und Reden und aus der da stehenden Menge führte er an.

10. Kapitel

(1)danach aber wurden die Massen durch die schlichten Reden sogleich in Stimmung versetzt, die von weltlicher Bildung bewegten Philosophen gingen lachend und spottend los, höhnend und scherzend in maßlosem Übermut, mit Syllogismen wie mit großen Waffen umgehend. (2) Obwohl er aber ihr leeres Geschwätz zurückwies, kam er durch geschicktes Fragen nicht mit ihnen überein, aber unaufhörlich redend gab er nicht auf. (3) Einer fragte ihn, weshalb eine Mücke entstanden und die Kleinste sei und sechs Füße und Flügel habe, der Elefant aber, das größte der Tiere unbeflügelt sei und nur vier Füße habe. (4) Er aber ergriff nach der Frage des Störers das Wort, indem er die Frage mit dem ihm von Anfang an Vorgegebenen beantwortend, das Wort mit einem einzigen Satz als Schlag für jeden gebrauchend auf(1) nahm. (5) „Von dem, der uns gesandt hat, haben wir allein ein Gebot, euch die Worte und wunderbaren Taten zu sagen und statt der logischen Nachweise halten wir euch viele Zeugen vor von denen, die zu euch gehören, deren Anblick ich eingedenk bin als belebten, zum Zeugnis geeigneten Bildern. (7) Im Übrigen steht es in unserer Macht, zu gehorchen oder ungehorsam zu sein. Ich werde nicht aufhören, das für euch Nützliche auszusprechen. Denn für mich ist das Schweigen ein Schaden, für euch aber der Ungehorsam Verderben. (8) Aber ich kann auch eure unüberlegten Vorwände widerlegen, wenn ihr wahrheitsliebend gefragt habt. (9) Die Ursache aber der unterschiedlichen Schöpfung einer Mücke und eines Elefanten euch jetzt zu sagen, ist nicht töricht für diejenigen, welche den Gott des Alls nicht kennen.

11. Kapitel

(1)Als er dies sagte, brachen sie einstimmig ein ungeordnetes Gelächter aus, versuchten ihn zum Schweigen und ihn in Verlegenheit zu bringen, als ob er irgendeinen barbarischen Besessenen war. (2) Als ich dies sah, wurde ich –ich weiß nicht wie – mit Eifer von einem frommen Mut ergriffen , konnte mich nicht beherrschen, gebot den Übrigen Schweigen, aber mit Zuversicht rief ich die Worte: „Gepriesen ist Gott, der euch unablässig seine Absicht vorgelegt hat, Unwürdiges voraus sehend, wie es von denen, die jetzt einen kritischen Verstand haben vollständig ans Licht gebracht wird. (4) Zumal jetzt Verkünder seines Willens ausgesandt worden sind, welche nicht grammatische Kunst verkünden, sondern mit einfachen schlichten Worten seinen Willen bekannt machen, sodass alle dem Gehörten folgen, um das Gesagte zu verstehen und es nicht wegen der vergänglichen Gestalt von einem ohne eigenen Entschluss (es) allen darbieten; (5) Ihr stellt euch zu dem, der nicht weiß, was euch nützlich ist, um eure eigene Verurteilung zu belachen, eine bei den Barbaren geläufige Wahrheit, (6) die auch bei euch anwesend war und die ihr nicht aufnehmen wolltet wegen eurer Ausschweifungen und der Schlichtheit ihrer Worte, (7) damit ihr nicht überführt werdet, dass ihr vergeblich Philosophen und nicht wahrheitsliebende Philosophen. Wann werdet ihr, die ihr nicht reden könnt, zu reden lernen? Denn viele Reden von euch sind nicht eines Wortes wert. (8) Was wird denn die griechische Menge sagen, die zu einer Seele geworden ist, wenn das Gericht sein wird, wie er sagt: „ Warum, o Gott, hast du uns deinen Willen nicht verkündet?” (9) „Ihr habt das überhaupt nicht gehört (falls ihr überhaupt einer Antwort gewürdigt werdet): (10) Vor Gründung der Welt kannte ich die Lehrsätze, wobei ich jedem, nach dem, was er wert ist, insgeheim zuvorgekommen bin;[11] (11) Das ist, weil so derjenige, der es will, die bei mir Zuflucht Suchenden auf ein volles Maß bringen kann, weshalb seit Anfang, seit den früheren Geschlechtern mein Wille nicht öffentlich verkündet worden ist, Jetzt aber am Ende des Lebens habe ich Verkünder meines Willens ausgesandt, die auch ausgelacht und als Hochmütige verspottet werden von denen, die zu nichts verpflichtet sein wollen und die meine Freundschaft heftig ausschlagen.(12) O, großes Unrecht! Die Verkünder wagen es bis zum Mord[12], und dies von den Männern, die zur Rettung gerufen werden[13].

12. Kapitel

(1)Das, was ungerechterweise von Anfang an gegen meine Verkünder geschehen ist, ist an alle ergangen, wenn sie die Unwürdigen zur Rettung gerufen haben. (2) Was nämlich jetzt von ihnen ungerechterweise von ihnen geschieht, das geschieht zur Rechtfertigung meiner gerechten Vorsehung, denn wohl ist das der Verehrung würdige Wort wurde von Anfang an gegen den Hochmut öffentlich einzusetzen beschlossen, aber wir beschlossen, es als etwas Wertvolles zu verschweigen, nicht vor denen, die seit Anfang würdig waren(denen ich es auch mitgeteilt habe), sondern vor denen und solchen (wie ihr seht) Unwürdigen, die mich hassen und sich selbst nicht lieben wollen. (3) Und jetzt, während die Anwesenden diesen meinen Mann verlachen, befragt ihn nach seiner Botschaft oder dem Fragesteller antworte, wer will, und bellt nicht wie übermütige Hunde, mit ungeordnetem Lärm, das Gehör derer verstopfend, die gerettet werden wollen. (4) Ungerechte und Gottverhasste, welche den rettenden Gedanken zum Unglauben verhindern, wie könnt ihr Vergebung erlangen, die ihr gegen den, der euch Gottes Gottheit verkündet frevelnd redet, und dies bei einem Menschen, den ich in Dienst genommen habe, sollt ihr aufnehmen, selbst wenn ich nichts Wahres sagen sollte, wegen seines guten Vorsatzes für euch?

13. Kapitel

(1)Als ich dies und das Folgende sagte, geschah viel Geraune des Volkes. Und die einen, die den Barnabas bemitleideten, stimmten mir zu, die aber, die töricht waren, knirschten fürchterlich die Zähne gegen mich. (2) Weil aber damals der Abend angebrochen war, fasste ich Barnabas an der Hand, damit ihm keine Gewalt zugefügt wurde, und führte ihn in mein Haus, wo ich es einrichtete, das er blieb, damit nicht jemand Hand an ihn legte. (3) Und nachdem er sich einige Tage aufgehalten und mich kurz im wahren Wort unterrichtet hatte (Weniges in wenigen Tagen), (4) sagte er, dass er nach Judäa eilen wolle wegen eines Festes der Gottesverehrung und im Übrigen mit seinen Volksgenossen zusammen zu sein.

14. Kapitel

(1)Mir aber war offensichtlich, dass er ganz erstarrt war. Ich sagte nämlich : „Erkläre mir nur die Worte des erschienen Mannes, die ich gehört habe, und nachdem es geordnet ist, werde ich mit meinem Wort den Willen Gottes verkünden, und dann werde ich wirklich innerhalb weniger Tage mit dir reisen (denn ich begehre sehr, an dem Ort in Judäa zu sein), bald aber werde ich auch während meines ganzen Lebens mit euch zusammen leben.” – als er aber das hörte, antwortete er: „Wenn du das Unsrige kennenlernen und das Nützliche lernen willst, dann fahre jetzt mit mir! Denn ich werde dir die Kennzeichen meines Hauses heute benennen, so dass du uns antriffst, wenn du kommen willst; ich werde nämlich morgen zu dem Meinigen reisen.”(5) Und da ich sah, dass er entschlossen war, ging ich mit ihm zum Hafen, und als ich von ihm erfuhr, welche Kennzeichen des Hauses er nannte, sagte ich zu ihm: (6) „Wenn ich nicht etwas Geldfordern müsste von einem, der mir etwas schuldet, würde ich sogleich mit dir zusammen segeln; aber ich werde dich bald antreffen.” (7) Und nachdem ich das gesagt und ihn den Schiffsführern überlassen hatte, wandte ich mich traurig um, des guten und vertrauten Freundes gedenkend.

15. Kapitel

(1)Tagelang verweilte ich, und nachdem ich nicht die ganze Schuld hatte eintreiben können, segelte ich schnell, da ich um den Rest wie um ein Hindernis nicht kümmerte, selbst nach Judäa und gelangte nach fünfzehn Tagen nach Kaisareia Straton. (2) Als ich aber an Land gestiegen war und eine Gastfreundschaft suchte, erfuhr ich, dass einer, der Petros genannt wurde, welcher der bewährteste Schüler desjenigen Mannes war, der in Judäa erschienen war, welcher Zeichen und Wunder verrichtet hatte, am folgenden Tag mit dem Samaritaner Simon[14] aus Gittha ein Streitgespräch führen werde. (3) Als ich das aber hörte, bat ich, mir dessen Unterkunft zu zeigen. (4) Und als ich es erfahren hatte, stellte ich mich an die Tür und erklärte, wer ich sei und woher ich gekommen sei. (5) Und sieh, Barnabas trat heraus, sah und umarmte mich, freute sich sehr und weinte; (6) und er nahm mich an der Hand und führte mich dorthin, wo Petros war und sagte zu mir: „Dies ist Petros, den ich dir als Größten hinsichtlich der Weisheit Gottes geschildert habe, dem ich von dir dauernd erzählt habe,(7) dass er zufällig Bescheid weiß, denn alles, was bei dir gut ist, habe ich wahrheitsgemäß berichtet,(8) zugleich aber auch die Absicht deutlich gemacht, dass er sich sehnte, dich zu sehen. (9) Es ist also ein großes Geschenk für ihn, dass ich dich durch meine Hände herbringe. Und nachdem ich dies vortragend gesagt hatte, sprach ich: „Dies, Petros, ist Clemens.

16. Kapitel

(1)Der Gute aber sprang sogleich auf, als er den Namen hörte, küsste er, stellte sich zu mir und sprach: (2)„ Du hast gut daran getan, Barnabas als Verkünder zur Ehre des wahren Gottes großmütig als Gastfreund aufgenommen zu haben, ohne dich zu schämen, ohne die Wut der ungebildeten Menge zu fürchten. Glückselig wirst du sein. (3) Wie du nämlich den Botender Wahrheit mit aller Ehre gastlich aufgenommen hast, wird auch dich, den Fremdling, die Wahrheit als Bürger ihrer Stadt annehmen; und dann wirst du dich mächtig freuen, denn weil du jetzt ein wenig gegeben hast, ich nenne die Absicht guter Worte, wirst du Erbe ewiger und unentreissbarer Güter sein.(4) Und bemühe dich nicht, mir deine Sinnesart zu erklären; denn alles, was dich betrifft, hat uns Barnabas aufrichtig erklärt, ungefähr jeden Tag hat er deiner Güte gedacht. (5)Und damit ich dir als einem vertrauten Freund das Bevorstehende nenne, falls dich nicht etwas hindert, sollst du mit mir reisen, wobei du an den Worten der Wahrheit Anteil haben sollst, die ich von Stadt zu Stadt bringen werde bis nach Rom selbst. Du aber sage, ob es dein Wille ist!

17. Kapitel

(1)Und ich legte meinen ursprünglichen Entschluss dar und wie ich nach vergeblichen Versuchen aufgegeben hatte, und alles, was ich dir zu Anfang mitgeteilt habe, um dasselbe nicht noch einmal zu schreiben. Ich sagte aber: „Ich bin bereit, mit dir zusammen zu reisen,” ( ich wusste nämlich nicht, wie gerne ich es wollte) „ nur will ich zuerst hinsichtlich der Wahrheit volle Sicherheit empfangen, (2) damit ich weiß, ob die Seele unsterblich oder unsterblich ist und ob sie, wenn sie ewig ist, hinsichtlich dessen, was sie hier getan hat, gerichtet wird (3)aufgelöst wird und was dann gerecht oder Gott gefällig ist, und ob die Welt entstanden und wodurch sie entstanden ist (4) und ob sie nicht aufgelöst werden wird und ob sie aufgelöst werden wird und ob sie besser sein wird oder auch nicht sein wird, und um nicht auf Grund der Anschauung zu reden,” und ich sagte, dass ich auch dies und das Folgende lernen wolle. (5) Er aber erwiderte darauf: „Ich werde dir, o Clemens, kurz die Erkenntnis des Seienden darlegen, und du sollst es jetzt gleich hören.

18.Kapitel

(1)Der Wille Gottes war auf mancherlei Weise verborgen. (2) In erster Linie durch schlechte Belehrung, durch bösen Umgang, durch schlimme Gewohnheit, durch ungutes Gespräch, durch unrichtige Vorurteile. (3)[15] Daher Irrungen, dann keine Gottesfurcht, Unglaube, Unzucht, Geldgier, Ruhmsucht und zehntausende anderer derartiger Übel, wie eine Menge Rauch, wie diejenigen, welche die Welt wie ein Haus bewohnen und den darin wohnenden Männern die Blicke verdunkeln und ließen die Aufblickenden den schaffenden Gott aus den Spuren nicht erkennen und sein Erscheinen verstehen. (4) Deshalb ist es nötig, dass Wahrheitsfreunde drinnen aus der Brust um Hilfe für die wahrheitsfreundlichen Gedanken rufen, damit einer, der außerhalb des raucherfüllten Hauses ist, hinzu kommt und die Tür öffnet, so dass das Licht der Sonne draußen in das Haus eindringen kann, der Rauch des Feuers drinnen aber vertrieben wird.

19. Kapitel

(1)Den helfenden Mann nenne ich also den wahren Gottessprecher, der allein die Seelen der Menschen erleuchten kann, so dass sie mit eigenen Augen den Weg der ewigen Rettung zu sehen vermögen. (2) Anders ist es aber unmöglich, wie du auch weißt, du sagtest erst kürzlich,(3) wie jeder Grundsatz zerstört oder bekräftigt wird, und je nach der Fähigkeit eines Verteidigers wird sie wahr oder lügenhaft genannt und die Grundsätze nicht als das ,sondern erscheinen, was sie sind, sondern von den Verteidigern den Anschein erhalten, was sie sind oder nicht sind, Wahrheit oder Täuschung.(4) Deshalb wandte der wahre Gottessprecher die ganze Mühe der Frömmigkeit auf, um uns zu sagen, was das Seiende ist und was in jeder Hinsicht geglaubt werden muss. (5) Zuerst ist es nötig, den Gottessprecher in einer prophetischen Untersuchung zu prüfen und zu erkennen, ob er wahrhaftig (ein Gottessprecher) ist[16], (6) dann soll man ihm alles glauben und das von ihm Gesagte im Einzelnen, nicht mehr untersuchen, sondern als etwas Gewisses annehmen, anscheinend zwar im Glauben, aufgenommen aber durch sichere Prüfung; (7) Durch eine Beweisführung von Anfang an und genaue Prüfung von allen Seiten her wird das Ganze mit richtiger Überlegung angenommen.(8) Deshalb muss man vor allem den wahren Gottessprecher suchen, denn ohne ihn ist es für Menschen unmöglich voranzukommen.

20. Kapitel

(1)Und ebenso ließ er mich zur Ruhe kommen, indem er mir darstellte, wer er ist und wie er gefunden wird, und als ich ihn wahrhaftig gefunden hatte, gewährte er mir die für die Ohren kund gemachte Wahrheit der Predigt des Gottessprechers, die deutlicher ist als das von den Augen Geschaute, dass ich erschrocken staunte, wie keiner derer, die alles durchsuchten, (es) einsah. (2) Außerdem hat er über das Wort des Gottessprechers geschrieben, und nachdem er ihm befohlen hatte, (es) dir von Kaisareia Straton zuzusenden, fertigte er das Schriftstück an (3) und ich hatte von dir die Weisung, jedes Jahr die Predigten und die Taten aufzuschreiben und dir zu schicken. (4) So machte ich schon am ersten Tage allein den Anfang betreffs des Gottessprechers der Wahrheit, betreffs alles dessen, was mir Gewissheit verschaffte. (5) Und sei´s drum! So”, sprach er, „sieh übrigens auf die von mir dagegen angestellten Nachforschungen! (6) Und wenn ich fürmich auch das Geringere davontrage, sollst du dich keineswegs von der dir überlieferten Wahrheit scheiden.(7) Darüber hinaus hoffe ich, das Geringe zu denen zutragen, die Verstand haben (ich sage: Wahrheitsfreunde), welche die Reden bekannt machen, geschickt sind, leicht zu überzeugen und angenehm, und andere sind schlicht und einfach, der einzigen Wahrheit vertrauend.”

21. Kapitel

(1)Nachdem er dies gesagt hatte, antwortete ich: „Schon preise ich Gott; wie ich nämlich volle Gewissheit erlangen wollte, so ist (sie) dargeboten. (2) Darüber hinaus, sei meinetwegen deshalb unbesorgt, denn ich werde nicht irgendwann zweifeln, wie du auch selbst mich von den prophetischen Ansichten abbringen wolltest, unfähig warst du nicht imstande, umso mehr weiß ich, was ich empfangen habe.[17] (3)Und meine ja nicht, dass ich dir Großes zugesagt habe, das etwa bezweifelt wird, sondern weder ich selbst noch einer der Menschen, der die Rede vom Gottessprecher vernommen hat, wird jemals zweifeln können, was du hinsichtlich der wahren Ansicht gehört hast und weißt, das ist die Wahrheit der prophetischen Zusage. Verlass dich deshalb auf die von Gott gewollte Anordnung; (4) Alle Kunst des Schlechten wird nämlich besiegt. (5) Gegen die Prophetie ist nämlich nichts mächtig, weder eine Kunst der Worte noch das Denken in Ränken, noch Urteilsschlüsse oder eine andere Erfindung, (6) wenn sich jemand, der gehört hat, nach der wahren Wahrheit des Gottessprechers wahrhaftig ausstreckt und sich nicht unter dem Vorwand der Wahrheit nach etwas anderem umgeschaut hat. (7) Deshalb, mein Herr Petros, sei nicht ängstlich wie jemand, der einem Stumpfsinnigen das Beste antut; (8) einem Empfänglichen werde ich nämlich aus Gnade schenken, und er kann von dem wahren Geber nicht getäuscht werden. (9) Ich weiß nämlich, dass es einen von denen gibt, der schnell empfangen und nicht lange warten will; Ich kann also den Unvergleichlichen und allein Sicheren, der mir gibt, nicht verachten.”

22. Kapitel

(1)Nachdem ich dies gesagt hatte, sprach Petros: „Ich danke Gott sowohl wegen deiner Rettung als auch wegen meines Gedeihens. Es ist mir nämlich angenehm, da ich weiß, welche Macht der Prophetie einst ist. Da auch ich also (wie du selbst gesagt hast) dich nicht einst (was ferne sei) einer anderen Lehre zuwenden kann, nicht geeignet sein werde, dich zu überreden, beginnt im Übrigen von morgen an, unter meiner Teilnahme das Streitgespräch mit den Widersachern. Für mich aber geht es morgen gegen den Zauberer Simon. (3) Und nachdem er das gesagt hatte, nahm er eine Mahlzeit ein und befahl auch mir, die eigene einzunehmen. (4) Er lobte aber und dankte für die Mahlzeit nachdem er gesättigt war und er selbst richtete dieses sein Wort an mich: (5)´Gott verleihe dir, dich in jeder mir gleich zu machen und als Getauften desselben Tisches mit mir teilzuhaben. (6) Nachdem er das gesagt hatte, trug er mir auf zu ruhen. Schon hatte nämlich die Natur des Leibes irgendwie den Schlaf ergriffen.

Übersetzt von Dr. Hans Jochen Genthe 2013
[01] E: Hier werden Fachausdrücke der Logik angeführt.
[02] T: Die Übersetzung folgt hier der Handschrift E, welche hier ουτε liest
[03] V: Luc 3,1
[04] V: Matth 11,5; Jes 35,5; 61,1
[05] V: Apgesch 2,12
[06] T: Hier ist der Text der Handschriften so gestört, dass eine Übersetzung nicht möglich ist und deshalb die unmittelbare Fortsetzung keinen Sinn ergibt, weil der Anschluss fehlt
[07] Ü: oder „dass“
[08] Ü: Portus Augusti in Latium
[09] V: Apgesch 4,36; 13,1
[10] V: I.Joh 1,1
[11] V: I.Petr 1.20; Eph 1,4
[12] E: Sie wagen es, ermordet zu werden
[13] V: Matth 22,6
[14] V: Apgesch 8,9 – 24
[15] V: Röm 1,21 – 26
[16] V: Dt 18,22
[17] V: Gal 1,8