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Achtzehnte Unterredung



1. Kapitel

(1)Als Petros am Morgen hinausging, um sich zu unterreden, kam ihm Simon zuvor, indem er sagte: „Als du dich gestern für den heutigen Tag entfernt hattest, habe ich dich (darauf)zurückkommend und nachforschend verwiesen, um zu zeigen, dass es keinen höchsten Gott gibt, der die Welt geschaffen hat, sondern ein anderer, der auch allein gut und bis jetzt unbekannt ist. (2) Sagst du denn sogleich, dass er der Schöpfer und Gesetzgeber sei oder nicht? Wenn er also Gesetzgeber ist, ist er gerecht, als Gerechten gibt es ihn aber nicht als Guten. (3) Wenn es ihn aber nicht gibt, hat Jesus einen andern verkündet, als er sagte: Nenne mich nicht gut; gut ist nämlich Einer, der Vater in den Himmeln.[01] Es stimmt aber der Gesetzgeber, der gerecht ist, nicht mit dem Guten überein.” (4) Und Petros sprach: „Sage uns zuerst, durch welche taten dir der Gute gut zu sein scheint, durch welche aber der Gerechte gerecht, damit wir die Reden gegen die Absicht lös werden können.” Und Simon: „ Sage du zuerst, was dir das Gute zu sein scheint! Oder was das Gerechte!”

2. Kapitel

(1)Und Petros: „Damit wir nicht streitsüchtiger im Gespräch die Zeiten verschwenden, indem du gerechterweise auf meine Fragen die Antworten gibst, (2) sage ich, dass der zum Geben Geneigte gut ist, welchen ich als den schaffenden Schöpfer ansehe, der die Sonne Guten und Bösen zukommen lässt und den Regen Gerechten und Ungerechten.”[02] Und Simon sagte: „Dies ist das Ungerechteste, dass er Gerechten und Ungerechten dasselbe zukommen läßt.” (3) Und Petros: „Sage du uns übrigens, wie ein Guter handeln würde!” Und Simon: „Du musst es sagen!” (4) Und Petros: „Ich habe es gesagt. Wenn er Guten und Gerechten dasselbe zukommen läßt und auch Bösen und Ungerechten, dann ist er nach deiner Meinung auch nicht gerecht, und wenn er Guten Gutes und Bösen Böses zukommen läßt, nennst du ihn vernünftigerweise gerecht.(5) Welche Taten müsste er also noch vollbringen, wenn er sich nicht auf diese Weise verhält, indem er zwar den Bösen das Zeitlicht zukommen läßt (wenn sie sich denn ändern sollen),den Guten aber das Ewige (wenn sie bleiben)? (6) Und so läßt er zwar allen zukommen, ist aber gut, weil er sein Gerechtes schenkt und noch mehr langmütig darin, wenn er den Sündern, die ihren Sinn ändern die Sünden vergibt, denen, die gut handeln auch ewiges Leben zuschreibt. (7) Und gerecht ist er, indem er am Ende richtend, jedem nach Würdigkeit zuteilt. Wenn sich dies also so richtig verhält, dann stimme zu; wenn es sich dir aber nicht richtig zu verhalten scheint, dann lehne (es) ab!”

3. Kapitel

(1)Und Simon sagte: „Ich habe einmal gesagt: Jeder Gesetzgeber, der auf das Gerechte blickt, ist gerecht.” Und Petros: „ Wenn es Sache eines Guten ist, kein Gesetz zugeben, eines Gerechten aber,(es) zu geben, so ist auch der Schöpfer gut und gerecht; (2) gut , denn von den Zeiten Adams bis Moyses erschien kein geschriebenes Gesetz – aber von Moyses bis zu den jetzigen Zeiten ist es geschrieben und gerecht.” [03](3) Und Simon: „Zeige aus den Worten deines Lehrers, dass es seine Sache ist, für einen Guten und Gerechten zu sein. Mir erscheint es nämlich als unmöglich, dass der Gesetzgeber selbst gut und gerecht ist.” (4) Und Petros: „Höre, dass das Gute selbst auch gerecht ist! Unser Lehrer hat selbst einem Pharisäer, der sagte: ` Was soll ich tun,, dass ich ewiges Leben erbe?´ als Erstes gesagt: `Nenne mich nicht gut; denn gut ist einer, der Vater in den Himmeln.´ Sogleich hinzufügend sagt er: `Wenn du in das Leben eingehen willst, dann halte die Gebote!´ (5) Als der aber sagte: `Welche?´ verwies er ihn auf die des Gesetzes[04]. Ohne ihm etwas anderes zu bezeichnen, verwies er ihn auf die Gebote des Gerechten. (6) Denn das Gerechte ist das Eine und das Gute das Andere, und ich selbst stimme zu, aber du weißt nicht, dass es seine Sache ist, für das Gute zu sein und für das Gerechte. (7) Gut ist nämlich, langmütig mit denen zu sein, die ihren Sinn ändern und sie aufzunehmen, gerecht aber ist es, wenn er richtet und jedem nach Würdigkeit zuteilt.”

4. Kapitel

(1) Und Simon sagte: „Nachdem also der Schöpfer erkannt worden ist, auch Adam gestaltet hatte und von denen, die auf Grund des Gesetzes gerecht sind, erkannt wurde, außerdem aber von Gerechten und Ungerechten und der ganzen Welt, wieso sagt dein Lehrer, der nach all diesen gekommen ist: (2) `Niemand kennt den Vater außer der Sohn, wie auch niemand den Sohn kennt außer der Vater und denen es der Sohn offenbaren will?[05]´ (3) Dies aber hätte er nicht gesagt, wenn er nicht einen Vater, der im Unaussprechliche ist, verkündet hätte, den auch das Gesetz den Höchsten nennt[06], von dem weder ein gutes noch ein böses Wort gehört wurde (wie auch Jeremias in den Klageliedern bezeugt[07]), der nach der Zahl der Söhne Israels, nämlich siebzig[08], auch die Gebiete der Völker siebzig Sprachen bestimmt hatte[09] und seinem „Herr” genannten Sohn Himmel und Erde zugewiesen hatte, gab er den Hebräern einen Anteil und legte fest, dass er selbst Gott der Götter[10] sei, Götter aber sage ich, welche die anderen Anteile der Völker erhielten. (4) Gesetze kamen also nicht von den genannten Göttern für ihre Anteile (das heißt für alle anderen Völker), ebenso kam aber das den Hebräern beigelegte Gesetz von dem Sohn des Herrn des Alls. Dies aber wurde so zu handhaben festgelegt, dass, wenn einer zum Gesetz von jemandem Zuflucht nimmt, geschieht es aus dem Anteil von diesem, der es auf sich genommen hat, das Gesetz zu tun. (5) Keiner kennt den im Unaussprechlichen seienden Vater, wie auch nicht seinen Sohn[11], dass er Sohn ist[12]. Zugleich freilich hast du das dem unaussprechlichen Höchsten Eigentümliche dem Sohn gegeben, ohne zu wissen, dass er Sohn ist, es ist der Vater von Jesus, der bei uns `Gesalbter´ genannt wird.”

5. Kapitel

(1) Nachdem Simon das gesagt hatte, sprach Petros zu ihm: „Dass er den zum Zeugen anruft, dass du so glaubst, den du jetzt im Unaussprechlichen nennst, aber den du als Glaubender nicht bekennst? Du schwatzt dummes Zeug, indem du das eine für das andere erklärst; (2) wenn du deshalb das glaubst, was du sagst, dann antworte ich dir – wenn du dich hingestellt hast, um mit mir über das zu disputieren, was du nicht glaubst, dann nötigst du mich, ins Leere zu schlagen.” (3) Und Simon sagte: „Ich habe von keinem deiner Schüler gehört.” (4) Und Petros sprach: „Lege kein falsches Zeugnis ab!” Und Simon sagte: „Beschimpfe mich nicht, breitet euch davor aus!” Und Petros sprach: „Solange du das Gesagte sagst, bist du ei n Lügner.” (5) Und Simon: „Denke, dass ich das erheuchelt oder von einem andern gehört habe; darauf ist mir zu antworten. Wenn du nämlich nicht umgestoßen werden kannst, lerne, dass dies die .Wahrheit ist.” (6) Und Petros: „Wenn es ein menschliches Gebilde ist, antworte ich darauf nicht; wenn aber sein Hintersinn als Wahrheit erfasst wird, dann bekenne mir das, und ich habe auch selbst etwas dazu zu sagen.” (7) Und Simon: „Einmal scheint es mir sich so zu verhalten. Antworte, wenn du etwas dazu zu sagen hast!”

6. Kapitel

(1)Und Petros sprach: „Wenn es sich so verhält, bist du der größte Gottlose. Wenn nämlich der Sohn dessen, der den Himmel und die Erde geordnet hat, es ist, der ihm seinen Vater im Unaussprechlichen offenbaren will, dann hast du als größter Gottloser (wie ich gesagte habe), der offenbart, ihn ihnen nicht offenbart.” (2) Und Simon: „Aber er will mich offenbaren.” (3) Und Petros: „Du verstehst nicht, was ich sage, Simon; begreife vielmehr, nachdem du gehört hast! Und die Rede „der Sohn offenbart wem er will”[13] besagt, dass jemand dies nicht durch Belehrung lernt, sondern allein durch Offenbarung. Offenbarung ist das in die Herzen der Menschen unaussprechlich gelegte Verborgene, wortlos durch seinen Willen offenbart. Und so geschieht Erkennen, nicht gelehrt, aber verstanden. (4) Dem Verstehenden ist es aber fürwahr nicht erlaubt, dies einem andern darzutun(da er auch selbst nicht belehrt worden ist), er kann es auch nicht offenbaren (da er selbst nicht der Sohn ist), außer wenn er sagt, dass er der Sohn sei. (5) Du aber stehst nicht als Sohn. Wenn du nämlich Sohn wärest, würdest du die kennen, die der Offenbarung würdig sind. Du aber kennst (ihn) nicht. Wenn er nämlich glaubwürdig wäre, würdest du nämlich das der Glaubwürdigen tun.”

7. Kapitel

(1)Und Simon sagte: „Ich bekenne, ich verstehe nicht, was du sagst: `Du würdest das der Glaubwürdigen tun. ´” (2) Und Petros: „Wenn du nicht verstehst, kannst du auch nicht den Verstand eines jeden verstehen – und wenn du nicht verstehst, kannst du auch nicht die bestimmen, die der Offenbarung würdig sind; wenn du aber nicht bestimmst, bist du nicht Sohn; Ein Sohn aber weiß; Deshalb will er denen, die würdig sind, offenbaren.” (3) Und Simon sagte: „Ich betrüge nicht; ich kenne die Würdigen, und ich bin nicht ein Sohn. Dies fürwahr, was es ist `er offenbart denen er will´ verstehe ich, wie du sagst, nicht; aber das Nichtverstehen habe ich nicht als Unwissender gesagt, sondern als Wissender, denn die Anwesenden verstehen nicht, damit du es verständlicher sagst, sodass sie es dadurch verstehen, so dass wir die Erörterung unternehmen.”(4) Und Petros: „Ich kann es nicht verständlicher sagen; sag du selbst, wie du (es) verstehst!” Und Simon: „Ich muss das Deine nicht sagen.” Und Petros: „Mir scheint, Simon, du verstehst es nicht und willst es nicht zugeben, damit du nicht durch Unwissenheit ertappt überführt wirst, dass du nicht der gegenwärtige Sohn bist. (6) Das sagst du nämlich in dunklen Reden auch wenn du es verständlich nicht sagen willst; sodass ich zwar deine Absichten aus deinen dunklen Reden erkenne, da ich ein Schüler des wahren Gottessprechers bin, kein Gottessprecher. (7) Du aber willst dich selbst einen Sohn nennen, ohne das verständlich Gesagte zu verstehen und widersprichst uns.” Und Simon: „Ich erfasse deine ganze Rechtfertigung: Ich bekenne, ich habe nicht verstanden was es ist: `der Sohn offenbart wem er will. ´ Sage es jetzt verständlicher!”

8. Kapitel

(1)Und Petros: „Auch wenn du bekannt hast, es in der Gestalt nicht zu verstehen, antworte mir auf das, was ich dich frage, und du wirst es erfahren. Sage mir: Du sagst, dass der Sohn gerecht sei, der einmal da sein wird, oder nicht?” Und Simon sagte: „(er ist) der Gerechteste..” Und Petros: „Gerecht ist er aber, weil er nicht allen offenbart, sondern denen er will?” (2) Und Simon: „Denn er ist gerecht denen, die würdig sind, dass er offenbaren will.” (3) Und Petros: „Also muss er den Verstand eines jeden erkennen, damit er den Würdigen offenbare?” Und Simon: „So verhält sich notwendig alles.” (4) Und Petros: „Also wurde er vernünftigerweise allein bestimmt zu offenbaren, da er allein den Verstand eines jeden kennt, und nicht du, der nicht einmal das von uns Gesagte verstehen kann.”

9. Kapitel

(1)Als Petros das gesagt hatte, erging ein Lob von der Volksmenge. Da aber Simon ertappt war, schämte er sich und wurde rot, rieb sich die Stirn und sagte: „Man nennt mich den von Petros besiegten Zauberer, aber auch den Dialektiker. (2) Du bist aber kein Dialektiker, da er die durch ihn besiegte Wahrheit zusammengefasst hat; (3) Übrigens sage ich dir, dass ich alle Anwesenden für würdig beurteile, den Vater im Unaussprechlichen zu erkennen. Während ich ihnen öffentlich offenbart habe, bist du ihnen feindlich gesinnt aus Neid mir gegenüber, der ich ihnen Gutes tun will.”

10. Kapitel

(1)Während du zu den Anwesenden wohlgefällig[14] so redest, spreche ich nicht wohlgefällig, sondern wahrhaftig.(2) Sage mir, wie du alle Anwesenden als würdig erkennst, da doch dir als dem Offenbarer auch nicht einer aufgefallen ist? Für das, was ich gegen dich vorbringe, gibt es nämlich kein Lob derer, die mit dir überein stimmen, sondern für mich, der ich das mit Recht ausgesprochene Lob erwarte. (3) Aber da Gott, der gerecht ist, den Verstand eines jeden zuteilt, der sagt, was das Wahre ist, dass durch die Linke dies den Rechten gegeben wird, nach dem Wort: Wer etwas von einem Dieb empfängt, ist selbst schuldig. (4) Sodass er deswegen nicht wollte, dass sie das von dir Gebrachte empfingen, sondern durch den zum Offenbaren bestimmten Sohn. (5) Wessen Sache ist es vernünftigerweise, den Vater zu offenbaren als des einzigen Sohnes, weil er denjenigen kennt, welcher der Offenbarung würdig ist? So ist dies nicht zu lehren oder gelehrt zu werden, sondern mit stummer Hand dem offenbart zu werden, der dies zu erkennen würdig ist.”

11. Kapitel

(1)Und Simon sagte: „Viel kommt zusammen zum Sieg für den, der zum Nutzen der eigenen Volksmassen kämpft. (2) Was nämlich einer liebt, das kann er auch rechtmäßig strafen, rechtmäßig hat aber das Gestrafte nicht die vorhandene Kraft. Übrigens werde ich herausstellen, was ich so denke. (3) Ich sage, dass im Unaussprechlichen eine Kraft ist, die allen unbekannt ist, auch dem Schöpfer selbst(wie auch Jesus selbst gesagt hat, der nicht wahrnahm, was er aussprach; aus Geschwätzigkeit traf er nämlich einige Male das Wahre, ,ohne zu wissen, was er sagt). Ich rede aber auch von dem, was er gesagt hat: `Keiner kennt den Vater.[15]´” (4) Und Petros: „Du kennst noch nicht das, was sein Evangelium ist” Und Simon: „ Ich verkünde das Seine nicht, um zu glauben, ich rede mit dir über das, was er erreicht hat” (5) Und Petros: „Damit ich dir keinen Anlass zur Flucht gebe, streite ich mit dir, wie du willst; außerdem bezeuge ich allen, dass du kein Wort, was du jetzt sagst, glaubst. Ich weißnämlich, was du denkst. Und damit du nicht meinst, dass ich belogen werde, spüre ich jetzt das Deine auf, damit du merkst, dass zu dem Erkennten gesprochen wird.

12. Kapitel

(1)Wir, o Simon reden nicht von der großen Kraft und auch noch von der des Herrn als von zwei entsandten Engeln, einen zur Schaffung der Welt und einen zur Gesetzgebung – auch nicht jeder sich selbst, als er dazu kam es selbst als Unumschränkter getan hat, gesandt hat – auch nicht, dass er als Widersacher dastand. (2) Lerne als Ungläubiger auch diesen Grundsatz. Den du die Kraft nennst, die im Unsagbaren ist, das ist von Unwissenheit angefüllt; Den Mangel an Einsicht der von ihr ausgesandten Engel hat er nämlich nicht vorgesehen.” (3) Und Simon wurde sehr zornig, als Petros das gesagt hatte und schlug mit folgenden Worten zurück:: „Was redest du für unnützes Zeug, Frecher und Unbesonnenster von allen, der für das ungelehrte Volk ungeschickt das Unaussprechliche vorbringt?” (4) Und Petros: „Warum bist du neidisch, wenn den anwesenden Hörern Gutes angetan wird?” Und Simon: „Also gibst du zu. dass diese Erkenntnis eine Wohltat ist?” Und Petros: „ Ich gebe es zu; (5) die erkannte Lüge ist nämlich für die Unwissenheit eine Wohltat, weil sie für einen keine Unbesonnenheit ist.” Und Simon: „Mir scheint, dass ich nichts sagen kann zu dem, was du vorbringst. Ich sage aber, dass auch dein Lehrer sagt, dass der Vater in irgendeinem Unaussprechlichen ist.”

13. Kapitel

(1)Und Petros sprach: „Ich antworte auf das, was du willst hinsichtlich des `Niemand kennt den Vater außer der Sohn – auch nicht kennt jemand den Sohn außer der Vater und denen es der Sohn offenbaren will´.[16] (2) Als Erstes wundere ich mich, wie du, da diese Rede zehntausend Auslegungen enthält und ich das Gefährlichere weggelassen habe, über die Unerkennbarkeit des Schöpfers und des Alls unter ihm geredet hast, das Wort ergreifst. (3) Zuerst kann nämlich die Rede an alle Judäer gehalten werden, welche meinen, dass David der Vater des Gesalbten [17] und der Gesalbte der Sohn sei und als Sohn Gottes nicht erkannt wird. (4) Deshalb sagt er bekanntlich „Niemand kennt den Vater”, weil sie statt Gottes alle David benannten. (5) Er sagt aber außerdem noch: „Auch niemand kennt den Sohn”, da sie nicht wussten, dass er der Sohn ist, und sie Rede: „denen es der Sohn offenbaren will”, ist richtig gesagt; er wurde nämlich von Anfang an als einziger Sohn bestimmt, so dass er es ihnen offenbaren wollte. (6) Und so kann der Erstgeschaffene Adam nicht unwissend über ihn sein, auch kann er dem angenehmen Enoch[18] nicht unbekannt sein, noch kann der Gerechte Noe ihn nicht kennen, noch der Freund Abraham unwissend sei, Isaak ist nicht in Unkenntnis. Isaak war nicht unwissend, ebenso wenig hat der im Kampf unterlegene Jakob nicht geglaubt, und allen im Volk, die würdig waren, wurde nicht offenbart.

14. Kapitel

(1)Wenn es aber (wie du sagst) sein wird, dass durch das Erkennen wegen Jesus jetzt allen offenbart wird, wieso sagst du das Ungerechte, dass jene nicht erkennen, die sieben Säulen[19] haben, der Welt und dem gerechtesten Gott gefallen können und dass diejenigen aus den Völkern, die gottlos sind, alles erkennen? Wurden sie gewürdigt, besser als jeder zu erkennen? (2) Und wieso ist das gut, was nicht gerecht ist? Außer, wenn du den nicht gut nennen willst, der denen wohl tut, die gerecht handeln, sondern den, der die Ungerechten liebt, auch wenn sie nicht glauben, denen er auch das Unaussprechliche offenbart, das er auch den Gerechten nicht offenbaren wollte. (3) Dies kommt nämlich weder dem Guten noch dem Gerechten zu, sondern dem, der die Frommen hasst. Bist du es nicht, Simon, der dasteht, der dies so nie Gesagte ermutigend ausgesprochen hat?”

15. Kapitel

(1)Und der darüber aufgebrachte Simon sagte: „ Ich berufe mich auf deinen Lehrer, der gesagt hat: `Ich bekenne dir, Herr des Himmels und der Erde, dass, was den Weisen verborgen war, das hast du den unmündigen Säuglingen offenbart.´”[20] (2) Und Petros: „So”, sagte er „wurde die Rede nicht überführt; ich sage aber als Erstes, wie das Gesagte dir so scheint. (3) Als unser Herr sagte:` Was den Weisen verborgen war, hat der Vater den Unmündigen offenbart´, meinte er nicht einen andern Gott und Vater zu bezeichnen anstatt dessen, der die Welt geschaffen hat. (4) Er nahm nämlich an, dass es das Verborgene des Schöpfers selbst ist, was er meinte, als er auch zu Esaia sagte: `Ich werde meinen Mund in Gleichnissen öffnen und das aussprechen, was seit Gründung der Welt verborgen war.´ [21](5) Diesem Gottessprecher also stimmst du zu, dem das Verborgene nicht unbekannt ist, von dem Jesus sagt, dass es vor den Weisen verborgen sei, den Unmündigen aber offenbart werde? Wie aber weiß es der Schöpfer nicht, während es seinem Gottessprecher Esaia nicht unbekannt ist? (6) Unser Jesus hat ihm aber nicht gesagt: `Was verborgen war´ sondern er hat das härter Scheinende gesagt; er sagte nämlich: Er hat es den unmündigen Säuglingen offenbart.´ (7) Aber zu sagen : `Er hat es verborgen wie vor denen, die ihn einst erkannt haben. Bei denen hat er nämlich die Schlüssel des Reiches der Himmel[22] hinterlegt., das ist die Erkenntnis[23] des Unaussprechlichen.

16. Kapitel

(1)Und sag(e nicht: ` Er hat an den Weisen übel gehandelt, als er dies vor ihnen verborgen hat. es sei ferne, dies anzunehmen. (2) Er hat nämlich nicht übel gehandelt, sondern da er die Erkenntnis der Herrschaft[24] verborgen hat, kamen sie weder hinein, noch bot sie denen dar, die hineinkommen wollten wegen der Gerechtigkeit, (3) wie sie die Wege vor denen, die willig waren, so hat er auch vor ihnen das Unaussprechliche verborgen, damit auch ihnen geschieht, wie sie gehandelt haben und damit sie mit dem gleichen Maß gemessen werden, mit dem sie messen[25]. (4) Dem nämlich, der würdig ist, zu erkennen, was er nicht weiß, ist schuldig, dem aber, der nicht würdig ist (auch wenn er meint, es zu sein), wird es genommen (auch wenn er unter den anderen ein Weiser sein sollte) und es wird den Würdigen gegeben[26] (auch wenn sie in den Zeiten der Schülerschaft Unmündige sind).

17. Kapitel

(1)Wenn aber einer sagt: `Nichts war den Söhnen Israels verborgen, wie geschrieben ist: Nichts hat er vor dir verborgen, Israel; du sollst nämlich nicht sagen, Jakob: Der Weg ist vor mir verborgen,´ [27]man mus wissen, dass die Unterschiede in der Herrschaft vor ihnen verborgen waren, aber der Weg, der zur Herrschaft führt, was das Gemeinwesen ist, war nicht verborgen. (2) Deshalb sagt er nämlich auch: ` Du sollst nicht sagen, dass mein Weg vor dir verborgen ist.´ Der Weg aber ist das Gemeinwesen, von dem er auch zu Moyses spricht: `Sieh, ich stelle vor dein Angesicht den Weg des Lebens und den Weg des Todes.[28] (3) Und übereinstimmend hat der Lehrer gesagt: `Geht ein durch den engen und schmalen Weg, durch den ihr ins Leben gelangt.”[29] (4) Und woanders, als er gefragt wurde: `Was muss ich tun, dass ich das ewige Leben erbe?´ verwies er auf die Gebote des Gesetzes[30].

18. Kapitel

(1)Aber von dem, was Esaja als vom Angesicht Gottes sagte:` Israel kennt mich nicht, und mein Volk versteht mich nicht´[31] nicht dagegen, und Esaja sprach in Rätseln von einem andern Gott statt von dem bekannten Schöpfer, sondern er meinte der erkannten Unbekannten in einem andern Rätsel, wie das Volk, das die gerechte Darstellung des erkannten Gottes nicht kannte und sündigte und nicht annahm, von dem guten Gott gerichtet zu werden. (2) Nach der Rede `Israel kennt micht nicht, und mein Volk versteht mich nicht´ sagt er fortfahrend: „Wehe, sündiges Volk, Volk voller Sünden.´[32] (3) Denn durch die Unkenntnis seiner Gerechtigkeit (wie er sagte) fürchten sie sich nicht und wurden voller Sünden, wobei sie annahmen, dass er nur gut sei (als ob er nicht gegen ihre Sünden angehe).

19. Kapitel

(1)Einige zwar sündigten so aus der verworrenen Annahme des Guten, andere aber aus Feindschaft. Die Stimmen gegen die Schriften Gottes, die unrecht und verlogen waren, nahmen sie auf, während sie seine wahrhaftige Gottheit und Kraft nicht kannten. (2) Da sie ihn deshalb nicht kannten und sich über Morde freuten und zuließen, mit Gaben den Bösen zu opfern und noch als Betrüger belogen wurden und alles Unrecht begingen, sich selbst Gott gleich machten und obwohl sie sündigten behaupteten, fromm zu sein. (3) Weil sie also unbelehrbar zum Besseren waren, änderten sie auch nicht, als sie ermahnt wurden. Sie fürchteten sich nämlich nicht, als ob sie durch derartige Taten Gott gleich würden.

20. Kapitel

(1)An diejenigen, die dies für vernünftig hielten, könnte einer sagen: `Keiner kennt den Vater außer der Sohn, und auch kennt keiner den Sohn außer der Vater.´[33] Und begreiflicher Weise. (2) Weil sie nämlich ungläubig waren und dem in Büchern zur Prüfung gegen Gott Geschriebenen geglaubt haben, haben sie gesündigt. (3) Aber irgendwo anders sagt er, dass er ihnen die Ursache ihrer Verirrung verständlicher beweisen wolle: `Deswegen irrt ihr, weil ihr das Wahre der Schriften nicht kennt, weswegen ihr die Kraft Gottes nicht kennt. ´ [34](4) Deshalb ist es nötig, dass jeder Mensch, der gerettet werden will, (wie der Lehrer gesagt hat) ein Beurteiler der zur Erprobung geschriebenen Bücher wird. Er hat nämlich so gesagt: `Werdet bewährte Geldwechsler![35] Denn für die Bewährten ist auch das Gefälschte untergemischt.”

21. Kapitel

(1)Nachdem Petros geredet hatte, sagte Simon aufgeregt, der behauptete von dem über die Schriften Gesagten erschlagen zu sein: „ Es sei fern von mir und meinen Freunden, deinen Worten zuzuhören. (2) Und solange ich nicht wusste, dass du so über die Schriften denkst. Ließ ich es mir gefallen und unterredete mich, jetzt aber entferne ich mich. (3) Es ist fürwahr nötig, dass ich mich von Anfang an zurückziehe, denn ich habe dich sagen gehört: ` Ich glaube keinem etwas, der gegen den Schöpfer der Welt redet, weder Engeln[36] noch Gottessprechern, keinen Schriften, keinen Priestern, keinen Lehrern, noch einem andern, auch wenn einer Zeichen und Wunder tut, auch wenn er in der Luft leuchtend Blitze schleudert oder durch Schauungen oder durch Träume offenbart. (4) Wer also kann dich umstimmen, etwas anderes zu denken, sei es gut oder böse, als dass, was du meinst, so stark und unbeweglich beharrst du auf deiner Erkenntnis?”

22 . Kapitel

(1)Und Petros sprach zu Simon, der schon weggehen wollte: „ Höre noch dies von mir, dann geh, wohin du willst!” (2) Als Simon umkehrte und wartete, sprach Petros: „ Ich weiß, wie du einst erschrocken warst, als ich sagte: `Wer gegen Gott, den Schöpfer der Welt ist und sagt: Ich glaube nicht´. (3) Höre jetzt aber mehr dazu! Wenn der Gott, der die Welt geschaffen hat, für einen ist, dann erlangt derselbe die Erkenntnis, was auch die Schriften anführen – und wenn anders, wie andererseits ein Böser verwerflich ist, wie weder die Schriften sagen noch irgend ein anderer, auch wenn er erkannt werden kann, wie auch ich nicht abstehe, ihn allein zu verehren und seinen Willen zu tun. (4) Ich will nämlich, dass du weißt, dass wer zu seinem Schöpfer keine Liebe hat, si auch nicht zu einem andern haben kann. Wenn er sie aber zu einem andern hat, hat er sie wider die Natur. Da er die Liebe vom Bösen hat, weiß er auch nicht, wie er sie festhalten kann. (5) Und wenn es über dem Schöpfer einen andern gibt, nimmt er mich erst recht wie ein Guter auf, denn ich liebe meinen Vater, du aber nimmst ihn nicht auf, obwohl du weißt, dass du deinen natürlichen Schöpfer (ich nenne ihn nämlich nicht Vater) in der Hoffnung auf mehr verlassen hast, ohne an das Vernünftige zu denken.. (6) Auch wenn du so Besseres finden wirst, weiß er, dass du ihn einst verlassen hast und noch mehr, dass er nicht dein Vater gewesen ist, der du auch so deinen Vater verlassen hast.

23. Kapitel

(1)Aber du sagst: `ich weiß, dass kein anderer über ihm ist, und deswegen kann er nicht verlassen werden. Er kann deswegen nicht sein: ich kenne die Bereitschaft der Erkenntnis zum Eigensinn. (2) Wenn ich dich aber als Eigensinnigen aufnehme, wird er mich als Einsichtigen erkennend nicht aufnehmen, nach deinem Wort ist er also unvernünftig, er ist für den Vernünftigen nicht brauchbar. (3) So ist, o Simon, der Unwissende der Bosheit dienstbar” Und Simon antwortete: „Sage mir also, woher das Böse erwachsen ist!” (4) Und Petros: „ Da du heute” sagte er „ sogleich aufbrechen wolltest und außerdem, dass ich als Lästerer nicht zuhöre, werde ich dich, wenn du denn willst am kommenden Morgen anleiten zu lernen, und wie du willst, werde ich kommen und mich ohne Eifersucht .prüfen lassen.” Und Simon sagte: „Wie du meinst, werde ich tun.” Und nachdem er das gesagt hatte, ging er weg. (5) Von denen aber, die mit zusammengekommen waren, ging keiner mit, sondern fielen Petrus zu Füßen und ehrten (ihn), weil er Simon überwunden hatte, um Verzeihung zu erlangen und aufgenommen zu werden, weil sie ihren Sinn geändert hatten. (6) Petros aber trat zu den Reuigen und der anderen Menge, legte ihnen betend die Hände auf und heilte ihre Kranken, und so entließ er sie, wobei er ihnen gebot ihnen, sich am Morgen zu beeilen. (7) Und nachdem er das gesagt hatte, ging er nach Gewohnheit mit seinen Gefährten hinein und begab sich zur dringenden Ruhe, da der Abend angebrochen war.

Übersetzt von Dr. Hans Jochen Genthe 2013

[01] V: Matth 19,17
[02] V: Matth 5,45
[03] V: Ex 9,27 ?
[04] V: Matth 19,16 –18 = Luc 18,18 -19
[05] V: Matth 11,27 = Luc 10,22
[06] V: Gen 14,18
[07] V: KL 3,38
[08] V: Gen 46,27; Ex 1,5; Dt 10,22
[09] V: Dt 32,8
[10] V: Ps 136 (LXX 135), 2
[11] V: Matth 11,27 = Luc 10,22
[12] Ü: Möglich auch: denn er ist Sohn
[13] V: Matth 11,27 =Luc 10,22
[14] V: I.Thess 2,4
[15] V: Matth 11,27
[16] V: Matth 11,27 = Luc 10,22
[17] V: Matth 22,42
[18] V: Gen 5,24
[19] V: Spr 9,1
[20] V: Matth 11,25 = Luc 10,21
[21] V: Matth 13,35; Ps 78(LXX 77),2
[22] V: Matth 23,13
[23] E: Hier steht das griechische Wort γνωσισ (spr. gnósis)
[24] V: Matth 23,13
[25] V: Matth 7,2. 12 = Luc 6,31. 36; Tob 4,16; Sir 31,18
[26] V: Matth 13,12 = Luc 8,18
[27] V: Jes 40, 26 – 27
[28] V: Dt 30,15
[29] V: Matth 7,13 – 14
[30] V: Matth 19,16 – 18 = Luc 18,18 – 19
[31] V: Jes 1,3
[32] V: Jes 1,4
[33] V: Matth 11,27
[34] V: Marc12,24 = Matth 22,29
[35] V: I.Thess 5,21?
[36] V: Gal 1,8